STADTMENSCHEN : Quadriga für Pater und Präsidenten

Seit 2003 verleiht die Werkstatt Deutschland am Abend des 3. Oktober die „Quadriga“an Persönlichkeiten, in deren Denken und Handeln Vision, Mut und Verantwortung zusammenwirken. Für seine Europafreundlichkeit sollte gestern in der Komischen Oper der serbische Präsident Boris Tadic ausgezeichnet werden, als Laudator hatte sich der österreichische Präsident Heinz Fischer bereitgefunden. Außenminister Frank-Walter Steinmeier wollte die Lobrede auf den deutschen Franziskanerpater Eckart Höfling halten, der in Rio de Janeiro eine Hafenschule für Kinder aus den Favelas betreibt. David Weinberger, der amerikanische Philosoph, wollte für eine „Mission der Aufklärung“ Jimmy Wales und Wikipedia loben. Den Musiker Peter Gabriel, der für seine globalen Initiativen für Menschenrechte ausgezeichnet wurde, ehrten der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn und der Präsident der Demokratischen Republik Ost-Timor José Ramos-Horta. Am Nachmittag trafen sich die Preisträger bereits in Potsdam, wo jeder einen Kirschbaum vor den Neuen Kammern pflanzte, um das Zusammenwachsen Deutschlands, Europas und der Welt zu symbolisieren. Als Moderator hatten die Veranstalter Berlinale-Chef Dieter Kosslick gewonnen, dessen eigene Mischung aus Witz und Charme immer auflockernd wirkt. Da die Quadriga-Preisverleihung leicht ein bisschen Gefahr läuft, wie eine sehr ernsthafte Honoratiorenveranstaltung zu wirken, ist die kleine Prise U-Kultur, die Kosslick nicht nur qua Amt, sondern vor allem durch seine Persönlichkeit verkörpert, ein Schritt in die richtige Richtung. Spätestens seit der WM gilt ja auch das deutsche Nationalwesen als bunter und humoranfälliger. Bi

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