STADTMENSCHEN  : Retter aus dem Dunkeln

Nur wenige Juden in Lemberg überlebten den Holocaust. Bei Beginn des Zweiten Weltkriegs war die heute in der Ukraine gelegene Stadt polnisch, hieß Lwów und gehörte zu dem Teil Polens, den Stalin seinem Reich einverleibte. 1941, nach Hitlers Überfall auf die Sowjetunion, kam sie unter deutsche Herrschaft, und das Morden begann, dem in Lemberg und Umgebung rund 400 000 Juden zum Opfer fielen. Aber es gab auch Menschen, die halfen, Polen wie Leopold Socha, dessen Leben nun verfilmt wird, in Leipzig, Lodz, Warschau – und in Berlin. Hier beginnen dieser Tage die Dreharbeiten zu „Hidden“, unter der Regie von Agnieszka Holland („Hitlerjunge Salomon“), mit dem polnischen Schauspieler Robert Wieckiewicz und seinen deutschen Kollegen Benno Fürmann, Maria Schrader und Herbert Knaup. Gedreht wird auf Polnisch, Jiddisch und Deutsch, im Frühjahr 2011 soll der Film in die Kinos kommen.

Die Hauptfigur Leopold Socha ist keine Erfindung, es hat ihn wirklich gegeben, obwohl man zunächst keinen Helden und Menschenfreund vermuten würde. Er soll Kleinganove gewesen sein, Dieb, Einbrecher, was sich eben so ergab. Aber irgendwann stößt er bei seinen Streifzügen auf eine Gruppe von Gettobewohnern auf der Flucht – und hilft ihnen, versteckt sie in der Kanalisation. Zunächst ist das für ihn ein Geschäft, er lässt sich bezahlen. Aber dann wird die auch für ihn lebensgefährliche Hilfe eine Gewissensfrage, und er wird zum Lebensretter aus eigenem Antrieb. 14 Monate lang versorgt er die jüdischen Flüchtlinge, besorgt Lebensmittel, Kleidung, transportiert alles in die Unterwelt – bis die Stadt befreit wird. ac

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