Stadtmenschen : Suzanne von Borsody spielt im Renaissance-Theater

Suzanne von Borsody, 52, ist nicht von ungefähr eine der profiliertesten deutschen Schauspielerinnen. Sie weiß, was sie will und vor allem, was sie nicht will.

G,a Bartels

Ganz schön bockig, die Lady. Fotografiert werden will sie nicht, persönlich treffen will sie sich auch nicht, nur telefonisch ist sie zu sprechen. Suzanne von Borsody, 52, ist halt nicht von ungefähr eine der profiliertesten deutschen Schauspielerinnen. Sie weiß, was sie will und vor allem, was sie nicht will. Beispielsweise auf Lady Rosemary Driver verzichten, die sie jetzt noch bis Freitag in der boulevardesken Farce „Verdammt lange her“ im Charlottenburger Renaissance - Theater mimt.

Nach der Erstaufführung 2006 spielt sie die bebrillte Schuldirektorengattin im Blümchenrock, die früher mal der heißeste Feger der Schule war, nun schon zum zweiten Mal. Warum? „Weil’s Spaß macht, dass Rosemary einerseits eine Dame der Gesellschaft ist und andererseits ein kurzsichtiger, blauäugiger Schmetterling“, sagt von Borsody und klappert dazu mit dem Wasserkessel. Das Ensemblestück über ein in Alkohol und Abgründen absaufendes Klassentreffen nach 25 Jahren, in dem sie die einzige Frau unter acht Männern spielt, sei ein einziger mit Slapstick gespickter Zirkus. So wie „Dinner for One“. Also ein überlanger Sketch? „Genau, ein Sketch in drei Akten“, schmunzelt sie und gähnt erstmal herzhaft.

Und obwohl die in München geborene Tochter des Schauspielerehepaars Rosemarie Fendel und Hans von Borsody in Berlin schon häufiger als Komödiantin zu sehen war, ist es schon irritierend, sie als hysterisch-tragische Witzfigur stark blinzelnd und die Brüste zurechtrückend von einem Fettnapf in den nächsten stolpern zu sehen. Immerhin spielt die mit Theaterpreisen, Grimmepreis, Deutschem Fernsehpreis oder Goldener Kamera dekorierte Unicef-Botschafterin seit 30 Jahren meist Charakterfrauen, stark, herb und auch im Scheitern eindrucksvoll. Wie passt da Rosemary rein? „Ach, ich bin gar kein so schwerer Mensch wie die in den Rollen, die ich spiele“, sagt sie. Und erzählt dann, dass sie nach der Vorstellung oft zum Savignyplatz schlendere, um mit Freunden noch was zu trinken. „Dann freue ich mich auf der Straße über die vor sich hin glucksenden Leute aus dem Publikum.“ Wieder Geklapper, diesmal Kaffeetasse.

Und wie sieht so ein Schauspieleralltag vor der Vorstellung aus: Ausschlafen, Stadtbummel, Fitness? Nö, seufzt von Borsody, die seit 20 Jahren zwischen ihren Wohnungen in Berlin und München pendelt. Ausschlafen ginge gelegentlich, aber sonst sei tagsüber Synchron oder Hörbuchproduktion angesagt. Plötzlich brandet Verkehrslärm durch die Muschel, gelüftet wird vormittags offenbar auch bei Schauspielers. An Berlin schätzt von Borsody die Großstadt, am gemütlichen München das Dorf. In welchem Bezirk sie hier wohnt? Will sie natürlich nicht sagen, die Lady. Gunda Bartels

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