STADTMENSCHEN : Träume und Legenden

Der Wintergarten feierte sein 15-Jähriges

... und wieder leuchten die Sterne“, schrieb Tagesspiegel-Experte Werner Philipp einst über das neue Varieté, das da in der Potsdamer Straße eröffnet hatte. Wintergarten nannten die Betreiber das Haus, und wie im legendären Theater selben Namens ließen sie nicht nur einen illuminierten Sternenhimmel im Saal funkeln, sondern holten auch Stars und Sternchen auf die Bühne. 15 Jahre ist das nun her – Grund genug für eine Feier am Dienstagabend inklusive zügig kurzer, aber zauberhafter Show, noch zügigeren Reden der neuen Inhaber Georg Strecker und Frank Reinhardt und einer langen Partynacht. Mit dem von ihnen angekündigten „dringend notwendigen frischen Wind“ wollen die neuen Hausherren vielmehr ihre Träume in Sachen Entertainment jetzt verwirklichen. Unter anderem am 12. Oktober mit „Furioso“, einer artistischen Reise zu Werken klassischer Musik. Am 24. November zieht mit Nina Queers „Saturday Night Club Crazy Paradise“ eine der schillerndsten Figuren des Berliner Nachtlebens erstmals in den Wintergarten ein. Von dessen Gründungstriumvirat feierte und träumte am Dienstag niemand mit. André Heller hat sich von dem Etablissement, dass er am 25. September 1992 dem Staunen widmete, schon vor Jahren getrennt. Auch der im Juni als Besitzer ausgestiegene Peter Schwenkow fand keine Zeit, ebenso wenig Bernhard Paul, der als Regisseur am Erfolg des Wintergarten Varietés beteiligt ist. Über 60 Produktionen wurden in über 6000 Aufführungen von über zwei Millionen Besuchern beklatscht, darunter mit Johannes Rau auch von einem Bundespräsidenten als Stammgast. In der Jubiläumsnacht gehörten Justizsenatorin a. D. Lore Maria Peschel-Gutzeit, Countertenor Jochen Kowalski, der ukrainische Botschafter Igor Dolgov und der Schauspieler Wolfgang Völz zur Garde der Wintergarten- Treuen, die am Abend eine lebende Legende feierten – den 98-jährigen, fast blinden Konrad Thurano. Mit stehendem Beifall und auch mancher Träne wurde dem Auftritt des weltweit ältesten aktiven Artisten gehuldigt. hema

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