STADTMENSCHEN : Viel Blech und Lang Lang

Wie kommt eigentlich ein Weltstar wie Lang Lang dazu, in einem Autohaus zu spielen? Vorigen Sonnabend haben ihm noch 50 000 begeisterte Piano-Fans in der Waldbühne zu Füßen gelegen beim Abschluss einer Tournee. Und nun steht er in der Audi-Zentrale in der Friedrichstraße, die bislang noch nie durch außerordentliche Akustik aufgefallen ist, und wo der Steinway zwischen all den Luxuslimousinen fast untergeht.

Zwar hat die PR-Abteilung des Hauses in die Vollen gegriffen und auf der Einladung von der „Nacht der Botschafter“ geschwärmt, und dass Audi die gleichen Tugenden besitze wie Lang Lang, nämlich „Perfektion, Innovation und Emotion“. Trotzdem ist es nicht zu übersehen, dass auf den Stuhlreihen noch Sitze frei geblieben sind und die wichtigsten Botschafter, die die ehemaligen Alliierten repräsentieren und es gar nicht weit gehabt hätten zum Konzert, nicht mal erschienen sind. Dana Schweiger ist zwar eine nette Frau, aber doch vor allem an der Seite eines Mannes prominent geworden und nicht so sehr durch eigene Perfektion.

Es ist schon ein bisschen unheimlich, wie Lang Lang, der weltweit gefeierte Piano-Star, sich ohne einen Hauch von Arroganz besonders tief verbeugt vor dem Audi-Marketing-Vorstand Ralph Weyler und betont, welche Ehre es sei, für die ganzen Exzellenzen zu spielen. Dann legt er los mit Liszt und Rachmaninow, dass einem trotz der eigenartigen Akustik und der Tatsache, dass nebenbei noch eine Computeranimation läuft, die mit den supertollen Beschleunigungskünsten, des ferrarimäßig im Schaufenster vor sich hin protzenden R 8 so angibt, dass einem Hören und Sehen vergeht. Für den R 8, sagt Lang Lang am Ende, spiele er noch die letzte Zugabe, ein chinesisches Stück namens „Happy Holidays“. Dabei erinnert er plötzlich so sehr an den jungen Mozart, dass es fast weh tut. Der hat ja für Geld auch so manches über sich ergehen lassen. Da kann man wirklich nur hoffen, dass Lang Lang für den Auftritt mindestens so einen R 8 bekommen hat. Damit er wenigstens standesgemäß in die Ferien fahren kann. Bi

0 Kommentare

Neuester Kommentar