STADTMENSCHEN  : Vom Huxleys ins Olympiastadion

Mit der U-Bahn wäre es nur eine gute halbe Stunde Fahrzeit zum Olympiastadion gewesen, aber nee: Die Musiker der Popband Polarkreis 18 wollten ja nach ihrem Konzert im Huxleys in Neukölln lieber feiern gehen. Im Magnet-Club in Prenzlauer Berg standen Freitagnacht schließlich schon die Bierflaschen kalt. „Die letzte Feier vor der großen Tour“, sagt Keyboarder Silvester Wenzel, 24, leicht entschuldigend, „die nächsten Monate sind wir ja dauernd auf der Autobahn“. Und das Olympiastadion, wo die Band am 10. Juni auftritt, kann man ja auch später angucken. „Wir waren nie drin und lassen uns mal überraschen.“

Die Dresdner, die mit ihrem Song „Allein, Allein“ eine große Hymne zum Mitgrölen geschaffen haben, sind an jenem Sommerabend Vorband von Depeche Mode. Deren Album „Playing The Angel“ wurde in Deutschland 500 000 Mal verkauft. „Ich habe es auch“, sagt Polarkreis-Mann Wenzel, „zumindest auf dem iPod“. In diesen Monaten sind Polarkreis 18 ständig hier, sie haben schon im Flughafen Tempelhof gespielt und neulich auch beim „Bundesvision Song Contest“ in Babelsberg. An das erste Konzert in Berlin kann sich Wenzel noch erinnern: Vor fünf Jahren war es, in der Waabe in Prenzlauer Berg an der Danziger Straße. „Wir sind extra mit drei Autos angereist – und dann kamen nicht mal zwölf Zuschauer. Die Stromkosten waren nicht gedeckt, der Veranstalter sagte das Konzert ab, also sind wir wieder heim nach Dresden.“

Statt vor acht Leuten spielen sie nun bald vor 60 000. Angst vor der Riesenkulisse – das Olympiastadion ist ausverkauft – hätten sie nicht, „aber auf der Bühne bin ich dann bestimmt total geflasht und denke: Einfach nur Wahnsinn!“ Aber wozu jetzt schon den Kopf zerbrechen? „Wir gehen da raus, schauen in 60 000 Gesichter und spielen unsere Lieder.“ Zumal sie Bombastisches gerne mögen, „unsere Musik soll groß klingen“. Und groß passt zum Olympiastadion. AG

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