Stadtmenschen : Vom Tellerwäscher zum Promiwirt

Adnan Oral hat sich in Berlin als Betreiber mehrerer Promilokale einen Namen gemacht. Am Mittwoch eröffnet sein neuestes Lokal "Bey". Orals Erfolgsgeheimnis: Die Gäste, egal wie berühmt sie sind, "mit viel Herz" empfangen.

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Jetzt geht’s los. Adnan Oral öffnet heute sein neues Lokal. „Bey“ ist die türkische Anredeform für „Herr“.
Jetzt geht’s los. Adnan Oral öffnet heute sein neues Lokal. „Bey“ ist die türkische Anredeform für „Herr“.Foto: Thilo Rückeis

Als Adnan Oral sich 1985 auf den Weg macht von Kappadokien nach Deutschland, um in Berlin sein Glück zu finden, gab ihm die Mutter einen Rat mit auf den Weg: „Egal, was du machst, du musst immer das Beste machen.“ Folgerichtig begann er seinen Weg als Tellerwäscher lieber nicht bei Aschinger, sondern verdingte sich gleich im Kempinski-Hotel am Kurfürstendamm, das damals in West-Berlin das erste Haus am Platze war. Sobald er konnte, machte er sich selbstständig, eröffnete ganz in der Nähe vom Kempinski das „Frullati e Panini“ und gehörte zu den Ersten, die in Berlin Tramezzini anboten. Am heutigen Mittwoch eröffnet er in der Knesebeck-, Ecke Mommsenstraße ein Lokal namens „Bey“, dem prominente Kundschaft fast sicher ist. Dazwischen liegt ein Weg mit vielen Erfahrungen.

Den Tag des Mauerfalls erlebte Adnan Oral in Ägypten. „Ich bin sofort zurückgekehrt nach Berlin, um etwas Neues zu machen.“ In der Grolmanstraße eröffnete er das „Adriano“. Mit diesem Lokal wurde er zum Prominenten-Wirt. Es war die Zeit der großen Berlin-Euphorie. Nach dem Wunder des Mauerfalls warteten Korrespondenten aus aller Welt auf das nächste Wunder.

„Bei mir saßen Helmut Kohl, Lothar de Maizière, Gregor Gysi und viele andere“, erinnert sich Adnan Oral. „Es gab ja noch kein Borchardt, kein Grill Royal, keinen Prenzlauer-Berg-Hype“. Danach hat er ganz in der Nähe am Savignyplatz das „Shell“ übernommen, „von einem Deutschen, aber das war nicht so in“.

Er zog sich erst mal zurück, legte für die heute fast elfjährige Tochter Shirin eine Babypause ein und wurde vorübergehend Hausmann. Sein Comeback in der Berliner Gastroszene feierte er im Roseneck an der Clayallee, das bei der örtlichen Prominenz ebenfalls ganz beliebt war. Er blieb dort aber nicht, verpachtete das Lokal.

Erst das „Adnan“ in der Schlüterstraße wurde wieder ein voller Erfolg. Dort zählt er seit 2002 viele Prominente zu seinen Gästen. Er erinnert sich an Brad Pitt und Tom Cruise, Joachim Löw und Uschi Glas, Mario Adorf und Karl-Theodor zu Guttenberg, Sabine Christiansen und Udo Walz. Im Sommer ist die Terrasse ein Ort zum Sehen und Gesehenwerden. „Culture-Trip“-Unternehmerin Virginia Giordano trifft sich hier regelmäßig mit einem Netzwerk aus Kulturschaffenden. „Prominente haben in ihrem Alltag ganz viel mit Erwartungshaltungen zu kämpfen. Wir erwarten nichts von ihnen, empfangen sie mit viel Herz“, beschreibt der 51-Jährige sein Erfolgsrezept. „Bei uns darf jeder sein, wie er ist. Ich bin ein Dienstleister und öffne meine Arme für alle.“ Auch im „Bey“ soll es ganz normale europäische und asiatische Küche geben und eine kleine Weinkarte, die auch Feines aus seiner türkischen Heimat enthält: „Ich jage nicht nach den Sternen.“

Vom Tellerwäscher zum Millionär, dieses Märchen hat auch nach 25 Jahren noch nicht ganz geklappt. Jedenfalls, was das Konto betrifft. „Im Herzen bin ich Millionär“, sagt er. „Das ist doch am wichtigsten.“

Manchmal hat er nachts Träume von seiner Jugend, vom Versteckspiel in den Felsenkirchen, über deren Entstehung er gern erzählt. Wenn darin seine Mutter vorkommt, die noch in Kappadokien lebt und nie in Deutschland war, spricht sie immer noch türkisch. Sohn Adnan aber antwortet schon lange auf Deutsch.

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