STADTMENSCHEN : Vorsicht, fliegende Motorräder: 23-Jähriger rast durch die Arena

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Frederik Peters

Ein Hinterhof in Friedrichshain, nahe Frankfurter Allee. Frederik Peters, den alle nur „Freddy“ nennen, hockt in seiner Garage und zählt die bunten Aufkleber der Sponsoren. „ … elf, zwölf – dreizehn Stück.“ So viele gehören auf sein Motorrad, allerdings muss das erst einmal poliert werden. Peters, 23, hat gerade trainiert, im Matsch. Und das geht nun wirklich nicht. Ein schmutziges Motorrad!

Peters hat an diesem Wochenende wichtige Termine in der Nachbarschaft: in der O2-Arena am Ostbahnhof. Der Friedrichshainer tritt dort vor 30 000 Zuschauern bei der Motocross-Weltmeisterschaft an. „Night of the jumps“ nennt sich das und ist ein ziemlich großer, aber auch lauter Spaß für die Zuschauer.

Die Motorradfahrer brettern mit ihren Maschinen über Sandhügel und Rampen, fliegen kreuz und quer umher und klettern dabei schon mal von ihrem Motorrad – in der Luft. Und die Jury vergibt dann Punkte. „Wenn du ordentlich Schwung drauf hast, fliegst du 20 Meter weit“, sagt Peters. Er ist neben dem Franken Fabian Bauersachs, 29, der einzige Deutsche bei der WM, die im Dezember mit den Finals in Südafrika und Brasilien endet.

„Das ist mein Job“, sagt Peters. Es könne ja nicht jeder einfach so bei einer WM mitmachen. Zumal die Maschine – eine Suzuki mit 50 PS, „nur 100 Kilo Gewicht“ – immerhin 10 000 Euro kostet. „Die sind zwar nicht so schnell“, sagt Peters, „die beschleunigen aber wie Sau.“

Mit drei Jahren hat er sein erstes Motorrad – mit Benzinmotor (!) – bekommen, sein Vater war auch leidenschaftlicher Fahrer. Am Theodor-Heuss-Platz in Westend ist er groß geworden, das Abitur am Robert-Bosch-Gymnasium hat er schnell sein lassen und anschließend auch die beiden Ausbildungen geschmissen. Gut, die Mutter – eine Deutschlehrerin – war nicht so begeistert, aber heute ist Peters einer der Besten im Geschäft. Ein Profi, der eine spektakuläre Show liefert. Von den Antrittsgeldern lebt er, bei großen Musikfestivals etwa oder bei Messen.

Der Körper muss da oft leiden. Rücken, Gelenke, Bänder und Knöchel, alles kaputt, die Knochen tun weh. Sein schlimmster Unfall? Vor vier Jahren war das, da ist er bei einem Stunt ungebremst gegen einen Lkw geknallt. Die Bilanz: „Vier Stiche am Kinn plus eine Gehirnerschütterung“, sagt er. Glück gehabt. (AG)

Night of the Jumps, Sonnabend und Sonntag, jeweils 20 Uhr, Eintritt: ab 45 Euro. Internet: www.ifmxf.com

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