STADTMENSCHEN : Wenn die Stadt zum Hobby wird

Dass ein Ur-Münchner zum begeisterten Berliner wird, ist alles andere als selbstverständlich. Hans-Reiner Schröder ist vor zwei Jahren als Leiter der BMW Niederlassung nach Berlin gekommen.

Elisabeth Binder
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Foto: Thilo Rückeis

„Ich liebe diese Stadt“, sagt er, und offensichtlich aus vollem Herzen. Seine Antwort auf die Frage, was das Leben in Berlin so faszinierend mache, zeigt, warum es hier vergleichsweise optimistisch zugeht: „Wer hier was leisten will, ist sofort integriert“, hat er festgestellt. „Man muss ganz offen auf andere Menschen zugehen können, dann hat man schon gewonnen. Die Berliner erkennen das an, wenn jemand keine Sprüche klopft, sondern wirklich was macht.“

Der 52-Jährige ist vielfältig engagiert, auch sozial, und das nicht nur zu Weihnachten, obwohl er da mit seiner großen Aktion rund 100 000 Euro für SOS-Kinderdörfer zusammenbekommen hat. Bereits in seiner Zeit als Niederlassungsleiter in Nürnberg hat er vor zehn Jahren mit Dagmar Wöhrl, der jetzigen Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, die Stiftung „Lobby für Kinder“ gegründet, die sich um Kinder inhaftierter Frauen kümmert.

Im Februar holte er Michail Gorbatschow zur Gala „Cinema for Peace“, der Erlös kam unter anderem der Raissa-Gorbatschowa-Stiftung und der Umweltstiftung von Leonardo DiCaprio zugute. Mit Gorbatschow und Leonardo DiCaprio auf der Bühne zu stehen oder mit Will Smith an der Bar ist für ihn „schon ein tolles Erlebnis“, da macht er keinen Hehl draus. Dass die Prominenten in Berlin gern ein paar Tage länger bleiben als geplant, sieht er ebenfalls als gutes Zeichen. Im März sponsort er die Gala der Felix-Burda-Stiftung, die um Aufmerksamkeit für die Darmkrebsvorsorge wirbt. Berlin ist „ein guter Ort, um Aufmerksamkeit für eine gute Sache zu erregen“, sagt er. „Die Stadt hat so eine positive Strahlkraft.“ Regelmäßig lädt er Kunden zu Konzerten mit dem Deutschen Sinfonie Orchester in die Reichstagskuppel ein. Man trifft ihn beim Empfang in der Russischen Botschaft ebenso wie auf einem Mode-Event. Über 200 Veranstaltungen hat er im vergangenen Jahr absolviert, darunter viele eigene im BMW-Showroom am Kurfürstendamm. Dort treten auch schon mal Filmgrößen wie Katja Riemann und Christopher Lee auf. Mal holt er einen Designer wie Michalsky in die Niederlassung, mal die Moderatorin Carmen Nebel. „Man muss was tun“, sagt er. Wer glaubt, dass beim Netzwerken die Arbeit auf der Strecke bleibt, irrt sich. Das Networking ist Teil der Arbeit. „Ist doch viel besser, wenn man sich persönlich kennt.“ Während es bei anderen Autounternehmen nicht unbedingt aufwärts gehe, habe BMW in den letzten beiden Jahren deutliche Steigerungsraten erzielt.

Zeit für Hobbys hat Schröder seit dem Umzug nach Berlin nicht mehr. Die Stadt ist sein Hobby geworden. „Ich finde es großartig, wie man hier sein geistiges Spektrum erweitern kann“, sagt er. „Mal spricht man mit Botschaftern, mal mit Künstlern.“ Es ist ein so durch und durch positiver Mensch. Über die Bürokratie klagt er nicht, was man doch angesichts der BMW-Baupläne am Kaiserdamm, für ein 16 500 Quadratmeter großes Grundstück, erwarten könnte. „Das läuft alles sehr kooperativ“, sagt er.

Manchmal fehlt ihm in der Politik das langfristige Denken, dass sich mal irgendjemand fragt, wo Berlin in 20 Jahren stehen soll. „Schon heute kann man Berlin in einem Atemzug mit Paris, London und Moskau nennen.“ Hans-Reiner Schröder ist fest überzeugt: „Berlin hat das Potenzial, die wichtigste Hauptstadt Europas zu werden.“ Elisabeth Binder

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