Stadtmenschen : Zur Öko-Mode gab’s Champagner

Designerin Stella McCartney zeigte ihre Kleider am Gendarmenmarkt und überraschte die Kundinnen mit einem Besuch in einer Boutique.

Elisabeth Binder

BerlinDie riesigen Buchstaben im Fenster des Geschäfts „The Corner“ am Gendarmenmarkt sind aus bunten Luftballons gefertigt. „We love Stella“, steht da, und das „love“ wird durch ein knubbeliges Herz symbolisiert.

Innen tragen die Kellner T-Shirts mit der gleichen Aufschrift, und vor dem Eingang knubbeln sich die Fotografen. Erwartet wird die britische Designerin Stella McCartney, deren Mode hier verkauft wird. „Die kommt doch bestimmt nicht in eine Boutique“, vermutet eine der Kundinnen, die hier zum Cocktail eingeladen sind. Sie irrt sich. Etwa zur Halbzeit trifft die Designerin ein, trägt enge graue Jeans zu goldenen High Heels, graues T-Shirt unter einer kurzen schwarzen Jacke, und darüber baumelt ein Pferdeschwanz. Ihr Make-up ist sehr dezent, über ihre verstorbene Mutter Linda hat sie mal gesagt, dass sie sich nie geschminkt hat. Sie ist nicht zum ersten Mal in Berlin, aber zum ersten Mal wirbt sie in Berlin auf diese Weise für ihre Mode. Die ist an Schaufensterpuppen zu besichtigen, kurze Kleider, die ab 500 Euro zu haben sind, wobei es auch teurer werden kann.

Stella McCartney ist die Tochter von Paul McCartney, das erhöht vielleicht den Hype. Den schultert sie souverän, schließlich hat die 37-Jährige als Designerin schon vor Jahren einen eigenen Namen gemacht. Sie redet gestenreich, obwohl es heiß ist und die Menschen sich dicht an sie herandrängen. Sie trinkt Champagner und Wodka mit Bitter Lemon und hält eine weiße Handtasche aus eigener Kollektion in die Kameras. Die Vegetarierin nennt ihre eigene Mode vegan, und da kürzlich während der Fashion Week Berlin immer wieder als mögliche neue Hauptstadt der Biomode gehandelt wird, könnte dieser Ort auch für die Britin künftig interessanter werden. Sie verarbeitet weder Pelze noch Leder, legt großen Wert darauf, dass alles fair gehandelt ist und keine Pestizide in den Stoffen sind. Ihre Kleidung wird in Europa gefertigt. Auftritte wie diesen macht die Mutter von drei kleinen Kindern häufiger in den USA, England und Italien, wo sich ihre Mode am besten verkauft. Aber auch in China hat sie so etwas schon gemacht. Alte Freunde wie Michael Michalsky und das legendäre Model Veruschka nimmt sie in den Arm. „Wir gehören in London zum gleichen Freundeskreis, deswegen sehen wir uns manchmal“, sagt Michalsky. Er kennt den verspielten Stil ihrer Events auch von anderen Einladungen. Die Luftballons im Fenster und die Disco-Bauchläden mit Schokoriegeln und Feuerzeugen stehen unter der Aufsicht ihres eigenen Dekoteams.

Auch die Einladung selber zeigte Sinn für kindliche Gags. Auf roter Pappe klebte eine schwarze Brille, an der eine Spirale mit blauen Augen befestigt war. Die Botschaft war eindeutig: „Die Augen werden Ihnen aus dem Kopf fallen.“ Model Franziska Knuppe trug ein Modell, das zeigte, wie man eine Ahnung von Schlangenhaut aus Pailletten fertigen kann: Die Sachen sind schlicht und fallen trotzdem auf, das gefällt mir.“

Diesmal war es nur eine Stippvisite mit drei Programmpunkten. Nach dem Geschäftstermin stand noch ein Dinner der deutschen Vogue im Borchardt auf dem Programm und danach eine Party in Clärchens Ballhaus. 

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