Stadtplanung : Plan B für die Bötzow-Brauerei

In Prenzlauer Berg sollte ein weiteres Einkaufscenter gebaut werden. Doch jetzt suchen Eigentümer und Bezirk nach einer besseren Lösung.

Fatina Keilani

Nach Jahren des Verfalls könnte bald in der Bötzow-Brauerei neues Leben einziehen. Das riesige, denkmalgeschützte Areal an der Prenzlauer Allee soll verkauft werden. Es gibt dafür eine gültige Bauerlaubnis, wie sie heute nicht mehr erteilt werden dürfte. Während Pankower Bezirkspolitiker noch mit dem Verlauf der Sache hadern, ist die Beteiligungsgesellschaft Divaco, der das Gelände gehört, schon einen Schritt weiter. Dort hat man erkannt, dass der Plan eines Einkaufszentrums nicht zukunftsweisend ist. Aber der Reihe nach.

Die Treuhand verkaufte das Gelände 1993 für 48 Millionen D-Mark. Seit 1995 gibt es eine Baugenehmigung für die Errichtung eines Einkaufszentrums mit sechs Etagen. Es wurde aber nichts gebaut. „Wir waren 1998 mit der Immobilie auf dem Markt, aber kein Käufer wollte so richtig ran“, sagt Divaco-Geschäftsführer Bernhard Scholtes. Das lag unter anderem an der Unübersehbarkeit der Sanierungskosten für das denkmalgeschützte Ensemble. „Wir ließen die Immobilie erst mal liegen.“ 2001 wurde die Bauerlaubnis erneuert. Wieder tat sich nichts. Normalerweise würde die Genehmigung nach drei Jahren verfallen, doch langwierige Widerspruchsverfahren verhinderten das. Solange sich niemand für das Gelände interessierte, drängte die Zeit auch nicht. Doch dann begann der Aufstieg von Prenzlauer Berg.

Die 110 000 Quadratmeter Grund mit Brauereigebäude darauf befinden sich in einer der besten Lagen der Stadt. Hier, zwischen Alexanderplatz und Kollwitzplatz, sind die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Die Divaco merkt es am Interesse: Es kommen vermehrt Anfragen – und: „Es sind plötzlich ganz andere Preise möglich“, sagt Scholtes. „Die Interessenten kommen aus den verschiedensten Branchen, zum Beispiel Wohnungen, Hotels, Gastronomie.“ So habe man darauf gedrungen, die Baugenehmigung nun endlich zu erteilen.

Diese aber sieht das vor, was Mitte der Neunziger klang wie eine gute Idee, heute aber nicht mehr: großflächig Einzelhandel auf dem Gelände zu schaffen. Es wäre sogar ein teilweiser Abriss der Gebäude erlaubt, obwohl für das Gesamtensemble Denkmalschutz gilt. Den heutigen Bestimmungen und dem politischen Willen entspricht die Baugenehmigung überhaupt nicht. SPD-Fraktionschef Klaus Mindrup hielte die Umsetzung gar für katastrophal. Prenzlauer Berg lebe es jetzt schon vor: „Die Trennung von Wohnen, Leben und Arbeiten findet hier nicht statt. Das ist die Zukunft.“ Hingegen ein weiteres Einkaufszentrum, das alle mit dem Auto anfahren, wolle niemand.

Selbst der Eigentümer sieht das alte Konzept mittlerweile kritisch. „Meine Meinung ist: Man kann es so eigentlich nicht mehr umsetzen“, sagt Scholtes. Das hören die Bezirkspolitiker mit Freude. Wenn der Investor eine Mischnutzung plane, womöglich aus Wohnen und Arbeiten mit Kita und Schule, renne er beim Bezirk offene Türen ein. Allerdings sei er ja nun an die alte Baugenehmigung gebunden und könne nicht einfach etwas anderes errichten. „Er könnte die Änderung der Baugenehmigung beantragen“, sagt Mindrup. „Der Bezirk würde Investitionen in eine Mischnutzung nicht behindern.“ Profitabler als ein weiteres Einkaufszentrum wäre das wohl auch. Dann könnte in der Bötzow-Brauerei sogar bald wieder Bier fließen.

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