Stars in Concert : Jahrzehnt der Doppelgänger

Viva Las Neukölln: Die Doubleshow "Stars in Concert“ kam von Las Vegas nach Neukölln ins Estrel Hotel. Das zehnjährige Jubiläum feiern jetzt 30 Elton Johns, Chers, Michael Jacksons und eine Tina Turner.

G,a Bartels
Doppelgänger Foto: Thilo Rückeis
Sängerin Dorothea "Coco“ Fletcher tritt als Double von Tina Turner und Whitney Houston bei der "Stars in Concerts"-Show im Hotel...Foto: Thilo Rückeis

Viermal haben die Mays aus Zehlendorf jetzt schon "Stars in Concert“ gesehen. „Bisher!“, betont Gatte Frank, und hat mit Ehefrau Sabine, beide um die 50, offenbar schon den nächsten Besuch der Doppelgängershow im Auge. Wenn man wie sie Rod Stewart oder Joe Cocker live erlebt habe, sollte man nicht so genau hingucken. „Bisschen anders sehen die schon aus, aber stimmlich sind sie super.“ Das ist denn wohl auch das Erfolgsrezept von Bernhard Kurz, der die Show 1997 aus Las Vegas nach Neukölln ins Estrel Hotel geholt hat. Nur Weltstars auf der Bühne, ein Superhit jagt den nächsten – das gibt es nur im falschen Leben. Und oft grottenschlecht.

Deswegen glaubten die Leute immer, Doubleshows seien billig, seufzt der Produzent. Doch um einen Doppelgänger auf der Bühne gut aussehen zu lassen, brauche es genauso gute Musiker, Kostüme und Lichtdesigner wie beim Original. Mehr als drei Millionen Zuschauer haben den Dauerbrenner im Niemandsland an der unteren Sonnenallee inzwischen gesehen, darunter über 60 Prozent Berliner und Brandenburger. 45 verschiedene Imitationen für Buddy Holly bis Elvis und für Abba bis Madonna waren dabei. Zu den Geburtstagsgalas für "Stars in Concert“ am Sonntag und Montag, rücken 30 Elton Johns, Blues Brothers, Michael Jacksons oder Chers an.

Auch Sängerin Dorothea "Coco“ Fletcher wirft sich in ihre Glitzerfummel: in die kurzen, fetzigen von Tina Turner und die langen, eleganten von Whitney Houston. Seit zehn Jahren stellt die Amerikanerin Rockröhre und Soulballadendiva gleichermaßen explosiv und innig dar. Und das sogar an einem Abend. Verwirrt sie das nicht? „Manchmal schon“, lacht sie herzhaft, „dann sitz’ ich in der Garderobe, schau’ in den Spiegel und frag’ mich: Wer bin ich gerade?“ Aber auf der Bühne sei dann alles klar.

Wie die meisten seiner Stars, hat Bernhard Kurz sie aus Las Vegas importiert. „Ich wollte gern Europa kennenlernen“, sagt Fletcher, die sich gut vorstellen kann, weitere zehn Jahre als Double aufzutreten. „Es macht Spaß, jemand anders zu sein. Und du bist frei, als Sängerin was anders zu machen und kommst dann wieder zur Show zurück. So wie nach Hause.“ Als Dorothea Fletcher sang sie im Friedrichstadtpalast, ist mit eigenen Bands unterwegs und tourt seit Jahren als Leadsängerin des Pepe Lienhard Orchesters mit Udo Jürgens.

Die Sängerinnen und Sänger seien musikalisch professionell ausgebildet und hätten ihre eigenen Karrieren, sagt Bernhard Kurz. „Nur der Louis Armstrong war vorher Maurer und kam über ,American Idol‘ zu uns.“ Zweimal im Jahr wird in den Staaten der Nachwuchs für die großen Doppelgängershows gecastet. Weltweit gibt es sechs: vier in den USA, eine in England und die in Neukölln. Allein in den Staaten seien 2400 Elvisse buchbar, schmunzelt Kurz. Trotzdem werde es immer schwerer, gute Live-Musiker zu finden. „Sowohl Elvisse als auch Elton Johns gibt’s weltweit nur drei brauchbare.“Ansonsten sei Berlin ein Künstlermagnet, sagt Kurz. Nicht nur, weil er mit ihnen bei sich zu Hause Weihnachten feiert, sondern „weil es nachts um zwei noch was zu Essen gibt“. Für Coco Fletcher ist das Nachtleben nach zehn Jahren in der Stadt nicht mehr so wichtig. Sie lebe mit ihrem Mann in Lichtenrade, weil sie zu Hause Ruhe haben wolle. Ist der auch bei der Show? „Nein, aber er ist Musiker.“

"Stars in Concert“-Paare gibt es durchaus: Marilyn Monroe und Dean Martin. Und Cher und der Schlagzeuger erwarten das erste Show-Baby, sagt Bernhard Kurz. Und wie steht es um den Zuschauernachwuchs? „Beatles und Elvis sind ja inzwischen Stoff im Musikunterricht und deswegen kommen immer mehr Schulklassen“, umreißt Kurz seinen überraschenden Bildungsauftrag. Darsteller Patrick Grahame sei gerade mal 30 und könne noch lange den Elvis geben. „Ein bisschen klein isser ja“, findet ein Ehepaar, „aber er singt viel besser als der, den wir bei uns in der Pfalz haben.“

Die Jubiläumsshows am 2. und 3. September sind fast ausgebucht, aber ab 5. September läuft "Stars in Concert“ wieder regelmäßig. Infos unter www.stars-in-concert.de

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