Steglitz-Zehlendorf : Die Gratis-Gärtner

Wenig Blumen, viel Dreck: Die Bezirke haben kaum Geld für Personal, um ihre Grünflächen zu pflegen. Deshalb greifen engagierte Bürger selbst zur Müllschaufel oder übernehmen Baumpatenschaften.

Daniel Stender
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Auf Streife. Klaus Spychalski, 72, kann vielleicht nicht jeden Baum entsorgen, aber anpacken kann er in seinem Kiez sehr wohl....

BerlinGardinenstangen, Hausmüll, Zigarettenkippen. „Hier liegen sogar noch alte Weihnachtsbäume“, sagt Klaus Spychalski und hebt einen braunen Tannenbaum aus einem unordentlichen Haufen am Rande des Döhlauer Pfads in Lankwitz. Spychalski ist der schlechte Zustand auf seiner Stammstrecke schon lange aufgefallen: „Man schaut ja nicht nur auf den Hund beim Spazierengehen“, sagt der 72-jährige Rentner.

Als vor anderthalb Jahren das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf per Zeitungsanzeige nach freiwilligen Helfern für die Pflege von Grünflächen suchte, meldete sich der frühere Regierungsdirektor sofort. Schließlich sei es besser, selber etwas zu tun, als immer nur zu meckern, findet er. Ungefähr einmal die Woche schaut Spychalski nun nach Müll oder nach maroden Bänken. Wenn es nötig ist, besorgt er Latten und Schrauben aus dem Betriebshof des Grünflächenamtes und macht sich an die Arbeit.

Zwölf Bürger kümmern sich ehrenamtlich in Steglitz-Zehlendorf um öffentliche Grünflächen. Das sind nicht besonders viele, aber verglichen mit anderen Bezirken eine ganze Menge. Ralf Heymach, Inspektionsleiter für die Grünflächen im Norden Pankows, sagt, dass man gerade mit einer privaten Sponsorin verhandle, die den Bürgerpark verschönern möchte. Und in Neukölln, sagt Bernd Kanert, der Leiter des Natur- und Grünflächenamtes, gäbe es ein solches Engagement gar nicht. Auch Baumpatenschaften gäbe es kaum. „Manchmal kippt jemand einen Eimer Wasser auf den Baum, wenn es sehr trocken ist“, sagt Kanert, aber das war’s dann auch schon. Im Bezirk Mitte hingegen werden ungefähr 50 Bäume durch Patenschaften betreut. Von 26.000 Bäumen insgesamt.

Ehrenamtliche Unterstützung wäre für die Grünflächenämter aber nötig: „Ausreichende Mittel sind nirgendwo im Land Berlin mehr vorhanden“, sagt Bernd Kanert. Allein in seinem Bezirk Neukölln müsste der Etat um ein Drittel größer sein. Blumenbeete gelten als Luxus und dürfen in diesem Frühjahr nur an repräsentativen Orten blühen. In Neukölln sind das der Körnerpark, das Schloss Britz, das Rathaus und wenige Stellen in der Hasenheide. Kanert und seine Mitarbeiter beschränken sich auf die nötigsten Arbeiten, sie entfernen beispielsweise tote Äste aus Baumkronen. Durch den harten Winter haben viele Bäume Frostrisse, besonders Ahorn und Linde sind betroffen. Außerdem müssten viele Wege erneuert werden.

Jürgen Götte, der Inspektionsleiter des Tiergartens, beklagt besonders die gestiegenen Preise für Rosen und Stiefmütterchen. Schließlich werden diese Pflanzen in energieintensiven Gewächshäusern gezogen – der Etat sei seit Jahren nicht an diese Entwicklung angepasst worden.

Auch in Steglitz-Zehlendorf ist das Geld für Grünflächen knapp, sonst wären die alten Weihnachtsbäume im Döhlauer Pfad in Lankwitz längst entsorgt worden. Rentner Klaus Spychalski allein kann sie jedenfalls nicht entfernen. Aber er hat eine Idee, wie er die dürren Tannenzweige verschönern könnte: Er will Ostereier dranhängen.

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