Stadtleben : Stil ohne Grenzen

Berliner Designer zeigen in Mailand ihre Erfindungen. Den Fernsehturm haben sie gleich mitgenommen

Katrin Zeug

Wie ein Ufo aus einer anderen Welt liegt das Berliner Wahrzeichen in einem Mailänder Hinterhof: Acht Meter hoch ist die Kuppel mit einer rot-weiß-gestreiften Spitze, die weit über die Häuser hinaus in den Himmel ragt. Ein Pavillon in Form des Berliner Fernsehturms, als hätte er sich tief eingegraben in die fremde Erde.

Berlin auf Eroberungszug. Deutlicher hätte das Bild kaum sein können. „Made in Berlin“ heißt die Ausstellung, die drinnen zu sehen ist und seit dieser Woche im Rahmen der Mailänder „Salone Internazionale del Mobile“ – der weltweit wichtigsten Möbel- und Interiordesignmesse – stattfindet. 19 junge Künstler zeigen ihre Arbeiten in der Designhochburg Mailand, ihre Waffe: die Marke Berlin.

„Berlin hat gerade eine Blase über sich, die eine riesige Anziehungskraft ausstrahlt“, sagt Heike Buchfelder, die auf der Messe ausstellt. Mark Braun zeigt seine Arbeiten bereits zum fünften Mal in Mailand und sagt: „Berlin ist ein Mehrwert, ein ,Plus x’. Es steht für die lustige Mischung: wilde Clubszene und nüchternes deutsches Wesen. Das fasziniert die Besucher.“

Die Stile der Berliner gehen von verspielt romantisch bis nüchtern funktional. Heike Buchfelder mit „Pluma Cubic“ nutzt für ihre Lampenschirme die klassischen Formen Kreis, Quadrat, Kegel. Den Stoff der Schirme durchbohrt sie mit schwarzen Gänsefedern, was sie von außen aussehen lässt wie weiche Blüten – innen dagegen die harte Struktur der Federspitzen zeigt. „Das sind interessante Gegensätze: tierisch lebendig und ein schlichtes Möbelstück“, sagt sie.

Mark Braun, 32, mischt Altes mit Neuem. Für seine Arbeiten bedient er sich traditioneller Methoden und Materialien – und gibt ihnen moderne Formen. Seine Lampen aus Email haben die Form von Hüten. Schaltet man das Licht aus, glühen die Innenseiten hellgrün weiter, bis zu zwei Stunden. „Das typische Berliner Design gibt es nicht“, sagt Diana Kaufmann, Geschäftsführerin bei Create Berlin, einem Zusammenschluss Berliner Designer, „Berlin und sein Design, das ist Vielfalt“. Die Gründe, mit denen die Designer diese Vielfalt erklären, ähneln sich: Berlin sei freier und unvoreingenommener als andere Städte. Durch den Krieg, die Isolation und den Mauerfall wurden immer wieder Strukturen gebrochen – das schaffe Raum für Ideen. Auch das günstige Leben spiele eine Rolle, „das macht es möglich, sich und seine Ideen auszuprobieren, ohne zu sehr wirtschaftlich denken zu müssen“, sagt Buchfelder. Das zieht an.

Diana Kaufmann sagt, die besten deutschen Designer kämen alle nach Berlin. „Die wollen arbeiten und feiern, wo es nett und unkommerziell ist.“ Die Unternehmen, die ihre Produkte letztlich herstellen und kaufen, sitzen dagegen eher nicht in Berlin. Um mit diesen in Kontakt zu kommen, sind die Designer nach Mailand gefahren: „Das ist Globalisierung“, sagt Kaufmann. Katrin Zeug

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