Strandbar : Kiki Blofeld:Teletubbieland für Erwachsene

Die schönsten Orte wirken von außen oft unscheinbar: Das "Kiki Blofeld" am Spreeufer ist mehr als eine Strandkneipe. Den verwunschenen Ort muss man aber erst finden.

Sebastian Leber
Kiki Blofeld
Lichtspiel. Vom Spreeufer aus guckt man in Richtung Michaelbrücke. -Foto: Spiekermann-Klaas

Man denke nur an Alice, die zunächst durchs Erdloch klettern musste, um in ihr Wunderland zu gelangen. Genau so ist es mit dem Kiki Blofeld. Wer dorthin will, muss erst: die richtige Abzweigung von der Köpenicker Straße finden, an zwei Gebrauchtwagenhändlern vorbei, durch eine schmale Gasse, die Bauzäune links liegen lassen und schließlich rechts über einen leeren Parkplatz. Aber dann!

Wer heute das Wort Strandbar hört, denkt an Liegestühle, Theken aus Bambus, Beck’s Gold. Das größte Abenteuer besteht darin, seine Schuhe auszuziehen und Sandkörner zwischen den Zehen zu haben. Das Kiki Blofeld in Mitte ist so viel mehr: Am Strand liegt ein altes Ruderboot. In den Bäumen hängen Kronleuchter. Mitten im Wald steht ein Billardtisch, den kann man benutzen. Oder man setzt sich ans Lagerfeuer und lauscht der Musik, die von irgendwo aus der Ferne durch den Wald dringt. Ist das nicht Marlene Dietrich?

Am besten, man kommt nach Einbruch der Dunkelheit. Dann wirkt das weitläufige Gelände – ein Hektar ist es groß – noch verwunschener. Einen ganzen Abend kann man hier verbringen und dabei ständig neues entdecken: die Ecke mit den Hängematten etwa oder den langen Eichentisch unter der Buche. Oder die kleinen, grasüberwachsenen Erdhügel, die wie Couches geformt sind und die nicht zur Zierde gedacht sind.

Wer heckt so etwas aus? Gerke Freyschmidt, 35, war früher Regieassistent. Vor fünf Jahren hatte er genug von der Filmbranche und pachtete die Brachfläche von der Bundesvermögensverwaltung. Tonnenweise Müll und Steine haben sie weggeschafft, sein Vater stutzte die Bäume. Und dann fing er an, sich nach geeigneten Möbeln umzusehen. „Klar war: Kunstpalmen kommen mir nicht aufs Gelände.“ Freyschmidt hat eine genaue Vorstellung, was seine Gäste vom Kiki Blofeld erwarten können: „Es soll wie ein Besuch bei einem Freund sein, der einen großen Garten hat.“

Auch bei der Namensgebung hat er sich etwas gedacht, aber um das zu erklären, muss er ein ausholen: Ernst Stavro Blofeld hieß der mächtigste und langlebigste Gegenspieler von James Bond – der Superbösewicht mit der weißen Perserkatze, der Chef von „Goftar“, der „Geheimorganisation für Terror, Angriff und Rache“. Und Kiki – diesen Teil hat sich Freyschmidt dazuerfunden – ist Blofelds imaginäre Tochter. Die sich für die Gräueltaten ihres Vaters schämt und jetzt alles wieder gutmachen will. Als extrem gute Gastgeberin.

kiki blofeld
Grafik: Tsp

Das Herz des Kiki Blofeld ist der Bunker am östlichen Rand des Geländes. Oben ist eine Terrasse, von hier hat man den besten Blick auf die Spree und rüber auf die Friedrichshainer Uferseite mit ihren eigenen Strandbars, der „White Trash Beach Bar“ und der beliebten „Bar25“. Nimmt man die Treppe nach unten, kommt man zu einer unterirdischen Bootsanlegestelle. Hier wurden früher Patrouillenboote der DDR-Armee gewatet. Freyschmidt hat Clubsessel hingestellt und ein DJ-Pult, jetzt finden hier am Wochenende Partys statt, heute Abend läuft Electro. Aber keine Angst: Oben bekommt man davon nichts mit – der Bunkerdecke sei Dank. Bisher hat sich das Kiki Blofeld nur übers Weitersagen herumgesprochen. Und trotzdem trifft sich hier jeden Abend eine bunte Mischung aus Studenten, Künstlern und Spitzenbeamten. Neulich saßen türkische Diplomaten am Lagerfeuer, erzählt Freyschmidt. Die hatten Spaß, nur mussten sie hinterher ihre staubigen Anzüge abklopfen.

Das Kiki Blofeld in der Köpenicker Straße 48 ist täglich ab 14 Uhr offen, am Wochenende ab 12 Uhr. Infos im Internet unter www.kikiblofeld.de.

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