Straßenfeste am Wochenende : Kreuzberg jazzt, Mariendorf rockt

Heute beginnt das Bergmannstraßenfest, am Sonntag rollen Seifenkisten den Mehringdamm hinab. Und auch woanders wird gefeiert

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Das Bergmannstraßenfest ist immer gut besucht.
Das Bergmannstraßenfest ist immer gut besucht.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Gerade, als er sich hingesetzt hat, um mal in Ruhe eine Tasse Kaffee zu trinken, klingelt schon wieder das Telefon. Die Chefin ist dran. „Viel Stress zur Zeit“, meint Olaf Dähmlow vom Verein „Kiez und Kultur“, nachdem er aufgelegt hat. Am Wochenende findet das Bergmannstraßenfest statt, Freitag geht’s los. Dem künstlerischen Leiter ist vom Stress aber nichts anzumerken. Zum siebten Mal organisiert er das Kiezfest. „Das Programm steht“, sagt Dähmlow, der in seinem Jazzclub sitzt und nun genüsslich an seiner Zigarette zieht. Erfahrung macht gelassen.

Dähmlow arbeitet seit 1978 im „Yorckschlösschen“. Als „Putzmann“ hat er angefangen, mittlerweile gehört die Jazz-Kneipe ihm. „Kreuzberg jazzt“, so lautet auch das Motto des Straßenfestes. Drei Bühnen zwischen Mehringdamm, Nostitzstraße und Zossener Straße laden zum Tanz zu Blues und Jazz aus Berlin. Außerdem gibt es eine Theaterbühne, ein Zelt auf dem Chamissoplatz, in dem sechs Spitzenköche kochen, und am Sonntag das Seifenkistenrennen auf dem Mehringdamm. Bereits ab Sonnabend, 15 Uhr, wird deshalb der Mehringdamm stadtauswärts zwischen Bergmann- und Dudenstraße gesperrt bis Sonntag, 22 Uhr; am Sonntag ist auch die andere Straßenseite für den Verkehr nicht befahrbar.

Aber nicht nur rund um die Bergmannstraße wird gefeiert, sondern in ganz Berlin findet an diesem Wochenende eine Reihe von Straßenfesten statt: Am Freitag eröffnet das Fest der Nationen auf dem Prager Platz in Wilmersdorf. Akrobaten, Jongleure und Clowns kann man auf dem Mariannenplatz beim Internationalen Straßentheaterfestival sehen. Und während am Sonnabend die CSD-Parade vom Ku’damm zum Brandenburger Tor zieht, spielen beim 28. Rocktreff im Volkspark Mariendorf Nachwuchsbands aus Berlin. Dass man sich bei so vielen Veranstaltungen in die Quere kommt, das befürchtet Dähmlow aber nicht.

Das sieht auch Werner Rawers so, der für den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf das Fest der Nationen auf die Beine stellt. Am Prager Platz wird es wieder ein internationales Bühnenprogramm mit Musik, Folklore und Feuerwerk geben, dabei sind auch Gäste aus Ungarn und Polen. Allerdings, klagt Rawers, werde es immer schwieriger, „in Berlin ansässige Migranten zum Mitmachen zu animieren.“

Solche Schwierigkeiten hat Dähmlow nicht. „Wenn man in der Bergmannstraße wohnt, braucht man nicht in die Toskana zu fahren“, sagt er, „da sprechen doch mehr Leute deutsch als hier.“ Multi-Kulti ist ihm wichtig. Mit Skepsis betrachtet Dähmlow allerdings, dass Kreuzberg immer bürgerlicher wird. Manchmal gebe es wegen der Lautstärke der Konzerte Probleme mit Anwohnern.

Laut und bunt wird es auf den Straßenfesten in jedem Fall zugehen. Die einzige Gefahr ist, dass schlechtes Wetter die Feste vernieselt. „Regen wäre fatal“, sagt auch Dähmlow. „Aber ums Wetter kann ich mich ja nicht auch noch kümmern.“

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