Sven van Thom : Ernsthaft albern

Musikclown oder Misanthrop? Sänger Sven van Thom hat viele Gesichter. Derzeit ist der Sänger mit seiner Band auf Deutschlandtour, benannt als "Zurück zur Na"-Tour.

G,a Bartels
Sven van Thom
Sven van ThomFoto: promo

BerlinEigentlich ein einigermaßen bescheuertes Pseudonym: Sven van Thom. Und aktuell ist der Berliner Schlagerpopsänger mit seiner Band „Die stahlharten Bäuche“ auch nicht einfach auf Deutschlandtour, sondern auf „Zurück zur Na“-Tour. „Ich kann mir Kalauer sehr schlecht verkneifen“, sagt der 31-Jährige entschuldigend und grinst durch seine dicke Kastenbrille.

Ursprünglich habe er sich van Kurt nennen wollen, erzählt er. Als Hommage an seinen Opa, mit dem der gebürtige Bernauer früher immer Schlager hörte. Da ist dann van Thom draus geworden, weil er so ein unscheinbares Phantom sei.

Stimmt. 1,69 Meter, dunkelblondes Haar, weiche Züge, scheuer Blick – wäre die Brille nicht, der Mann, der für Brandenburg bei Stefan Raabs diesjährigem Bundesvision Song Contest immerhin Platz 9 geholt hat, fiele kein bisschen auf. Und dass, obwohl es der in Stolzenhagen aufgewachsene Sänger mit seinem Song „Trauriges Mädchen“ sogar in die deutschen Singlecharts schaffte. Nachdem der Ohrwurm bei Pro 7 als Untermalung eines Spielfilmtrailers lief, klickten innerhalb weniger Tage 100 000 Leute seine YouTube-Seite an.

„Ich brauch’ Schokolade“, seufzt Sven van Thom, der eigentlich Sven Rathke heißt, und holt sich einen Kakao vom Tresen. Sein grauer Sixties-Anzug passt perfekt in die lustige Retrorumpelbude „Kauf dich glücklich“ in der Oderberger Straße. Klar, dass die ollen Tütenlampen und Stickblumenbilder im Café einen Retro-Fan wie Sven van Thom ansprechen.

Im zweiten Leben ist er Sänger der Berliner Sechziger-Revival-Band Beatplanet, die auch schon mal beim Bundesvision Song Contest mitgemacht hat und am 7. Mai im Frannz Club in Prenzlauer Berg spielt. Und van Thoms aktuelles Album „Phantomschmerz“ klingt wie eine Mischung aus Schlager und Country im pompösen Ennio-Morricone-Sound der Spaghetti-Western. „Gestartet hab’ ich’s als seriöses Songwriter-Ding“, sagt der inzwischen im Wedding wohnende van Thom, „aber dann sind immer mehr musikalische Scherze hinzugekommen“.

Wie sein trashiges HipHop-Projekt „Psychoterrorismus“, mit dem Sven van Thom am 20. Mai im Schokoladen in der Ackerstraße zu sehen ist. Die dazugehörende HipHop-Nummer „Jacqueline – ich hab’ Berlin gekauft“ hat ihn bei ironieresistenten Rapfans nicht gerade beliebt gemacht. Das dürfte an einer bestimmten Zeile seiner äußerst spaßigen Berlin-Fantasie liegen: „Als allererstes hab’ ich Rappen verboten, all diesen Pseudo- Ghetto-HipHop-Idioten. Diese Poser- Scheiße habe ich so satt, nur weil einer einen kennt, der ein Messer hat.“ Seitdem bekommt er Mails, in denen steht: „Pass auf, Phantom, du wirst in Berlin gesucht.“

Das schockt den Lakoniker und Melancholiker wenig. Sein Liederspektrum auf „Phantomschmerz“ reicht von nicht ganz ernst gemeinten Stammtischnummern wie „Schatz halt’s Maul“ bis zur traurig-wütenden Anklage „Gefühle sind Säue“.

Herz, Schmerz und gefällige Schlagermelodien sind Sven van Thoms Steckenpferd. Mit 18 habe er noch zu seinen Schulkumpels gesagt, er werde niemals Liebeslieder schreiben, wundert er sich, „und jetzt mache ich nichts anderes“.

Dabei ist der Mann in der Dauerpose des Musikclowns ein kleiner Misanthrop. „Mir ist alles so verdammt egal“, sagt er plötzlich ganz ernst – und dass Albernheit auf der Bühne sein Weg sei, mit dem fehlenden Glauben an irgendwas klar zu kommen. Klingt ja nicht gerade nach einem ausbaufähigen künstlerischen Konzept. Doch, widerspricht Sven van Thom, der zu Hause übrigens weder Fernsehen noch Radio, aber dafür seit einem Jahr einen PC hat. Wenn die Schlager seriös seien und das Lachen nicht im Vordergrund stünde. Das scheinen die Fans seines „Traurigen Mädchens“ so zu sehen. 

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