Tägliche Serie, Folge 9 : Kulturcheck - ein Londoner testet Berlin, heute: Fünf Punkte gegen Berlin

Das Berlin-Experiment: Der Londoner Journalist Mark Espiner ist zwei Wochen beim Tagesspiegel zu Gast und bespricht online jeden Tag Berliner Kulturereignisse. Diesmal tritt er in Hundescheiße und leidet in der Oper.

Mark Espiner
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Mark Espiner.Foto: Thilo Rückeis

Es ist Zeit, mal fünf weniger gute Dinge über Berlin zu nennen:

1. Hundescheiße auf den Straßen. Es mag ganze Gangs von Kampfhunden in London geben, aber sogar ihre Messer fuchtelnden Herrchen scheinen den Hundedreck wegzumachen.
2. Das Wetter. Das ist sogar an London gemessen nicht gut.
3. Schlechte Organisation bei U-Bahn-Rolltreppen. Darf ich Sie freundlich darauf hinweisen, dass es deutlich besser funktionieren würde, wenn man rechts steht und links geht? Dann können Menschen in Eile einfacher vorbeikommen.
4. Der neue Entwurf für den Schlossplatz. Berliner! Was wollt Ihr mit solchem nostalgischen Kitsch?
5. Hatte ich das Wetter erwähnt?

Trotzdem mag ich Berlin immer noch. Und dachte mir, dass ich mal direkt an die Wurzeln gehen müsste. Während also Quentin Tarantino, wie meine Gewährsleute mir sagen, seine pulpy fiction im Café Einstein filmt, bot mir Stefanie an, mich im Deutschen Historischen Museum herumzuführen. In einer Stunde kam ich von den Römern zur DDR und zum Votum des Ostens für ein vereinigtes Deutschland. Am Ende war ich doch ein bisschen benebelt.

Staatsoper und Schlossplatz

Ich blieb den ganzen Tag Unter den Linden. Ich schaute bei der neuen temporären Galerie vorbei - wow! was für ein großartiger Ort - um die Videokunst von Candice Breitz zu sehen. Ich kaufte mir Pinkel von Schlemmermeyer in der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz (der Vorschlag kam von Melanie) und ging in die Staatsoper um Peter Ruzickas "Hölderlin" zu sehen.

Ich fand die Oper unmöglich. Ich konnte nicht nachvollziehen, was vorging (auch nicht anhand der englischen  Zusammenfassung im Programm). Die Musik war Folter. Ruzicka mag hoch angesehen sein, aber ich konnte es kaum aushalten. Ich hatte nun einmal das Gefühl, in Berlin in die Oper gehen zu müssen, obwohl niemand von Ihnen das empfohlen hatte. Vielleicht sollte ich mich nur auf Ihre Tipps verlassen.

Noch zum Opernhaus: Das Foyer war beeindruckender als der Saal - inklusive der Aufführung.

Noch zum Schlossplatz: Die temporäre Galerie ist interessanter als Ihre verrückten Pläne, eine misslungene Hochzeitstorte wieder aufzubauen.

Ich weiß, dass in Berlin schon Mengen moderner Gebäude stehen und dass Sie vielleicht kein weiteres wollen. Aber dieser Entwurf sieht scheußlich aus. Ich denke, dass Sie den Abriss des Palasts bereuen werden. Obwohl Prinz Charles den Schlosswiederaufbau wahrscheinlich gut fände. Aber geht es Ihnen darum, unseren Thronfolger glücklich zu machen?

Unfeiner Pinkel

Melanie schickte mir eine Mail und sagte, es gebe nichts Besseres als Pinkel. Sie erklärte mir auch den unvorteilhaften Namen. Dieser Pinkel jedenfalls schmeckte erst einmal gut und kam mir anfangs wie eine gute Idee vor. Aber dann kam mir das doch ein bisschen ölig vor und es waren Dinge drin, die ich nicht erkennen konnte. War das etwa Kohl? Kohl? In einer Wurst? Hmmmm. Zunächst eine gute Idee, aber dann voller Dinge, die dort nicht sein sollten? Hört sich ja fast wie der Schlossplatz an.

Aus dem Englischen übersetzt von Markus Hesselmann.

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