Stadtleben : Tanzen wie in Texas

Square-Dancer wirbeln durch den Ostbahnhof

Klaudia Kelleh

Wie bunte Räder drehen sie sich die Röcke der Tänzerinnen vom Square Dance Club „Crazy Eights“. Es sieht in der Turnhalle der Weddinger Gustav-FalkeGrundschule auf den ersten Blick ganz leicht aus, aber das täuscht.

Der amerikanische Gruppentanz kommt auch hierzulande immer mehr in Mode – in Berlin kann man den Tänzern heute, von 11 bis 13 Uhr, in der Haupthalle des Ostbahnhofs zuschauen. „Wir zeigen ja Farewell-Tänze, und im Bahnhof sagt man doch auch auf Wiedersehen“, erklärt Square-Dance-Anhängerin Ingeborg Ussat den ungewöhnlichen Auftrittsort, für den in Wedding wieder und wieder trainiert wurde. Zwei Squares, also von Tänzern dargestellte Quadrate, stellen sich dazu in der Mitte der Tanzfläche auf. „Ein Square besteht aus acht Personen, die sich gegenüberstehen“, erläutert Manuela Krackau, seit zwölf Jahren aktive Tänzerin und Ehefrau des „Callers“. So heißt der Ansager, der übers Mikrophon spontan durchgibt, welche Figuren zu tanzen sind – denn im Unterschied zum Line-Dance oder Contra-Dance gibt es keine festen Choreografien. Der Mann am Mikro muss alle Schrittfolgen und Drehungen im Kopf haben. „Nichts ist schlimmer als Stop and Go auf der Tanzfläche“, sagt Manuela Krackau. Außerdem muss ein Caller auch singen können, von Evergreens über Film- und Musicalmelodien bis hin zu aktuellen Popsongs.

Der Square Dance kam mit den amerikanischen Alliierten nach Deutschland. Mittlerweile gibt es bundesweit 440 Klubs, darunter einige Kinder-Tanzgruppen. In Berlin gründete sich der erste Klub 1958, das waren die Berlin Swinging Bears. Wer mit aufs Parkett will, muss zunächst Kurse absolvieren, die bis zu 40 Wochen laufen. Dann hat man alle 68 Figuren des Grundprogramms erlernt und kann praktisch überall auf der Welt mittanzen.

„Square Dance ist die sozialste Sportart auf der Welt“ sagt Manuela Krackau. Teamfähigkeit, Engagement innerhalb der Gruppe seien das Wichtigste. Daher gebe es auch nirgendwo auf der Welt so etwas wie Meisterschaften. Aber immerhin öffentliche Tanzshows – wie heute im Ostbahnhof. Klaudia Kelleh

Alle 13 Berliner Klubs findet man im Internet unter www.squaredance-berlin.de. Kontakt zu den Crazy Eights: Manuela Krackau, Tel. 3810 7651, Mail: info@crazy-eights.de. Eine „Class“ über 20 Wochen kostet 45 Euro; Schnupperabende möglich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar