Teil 2 : Der Spielverderber: Fußball und der Krieg um die Fernbedienung

Wir erklären, warum Fußball Wahnsinn ist. Und geben Tipps, was Sie heute tun können, während die anderem ihm verfallen. Dieses Mal: Der Kleinkrieg um Deutschlands Fernbedienungen hat begonnen.

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Foto: Mike Wolff

In der letzten Folge ging es darum, dass viele vom Fußball erwarten, dass er der Welt Frieden bringt. Und dass das natürlich nicht stimmt. Nach einem Wochenende Fußball-WM ist mir klar geworden: Fußball schafft viele Konflikte überhaupt erst.

Bei uns ging das Samstag los. Ich war gerade dabei, die Marmelade auf den Frühstückstisch zu stellen, da sagte der Mann an meiner Seite: „Und, was machen wir heute?“ Er hatte seine harmloseste Miene aufgesetzt, in Wirklichkeit aber war diese Frage reine Heimtücke. Er setzte auf meinen debilen Geisteszustand vor dem ersten Kaffee. Doch es ist nicht das erste Sportgroßereignis, das wir zusammen durchmachen: Das war nicht der Auftakt zu einem Gespräch, sondern zu knallharten Verhandlungen.

„Erst mal Einkaufen, nachmittags ins Café am Neuen See und abends ins Kino“, formulierte ich meine Maximalforderungen. „Halb zwei: Südkorea-Griechenland, vier Uhr: Argentinien-Nigeria, halb neun: England-USA“, sagte er. Ich (konsterniert): „Du willst Südkorea-Griechenland gucken?“ Er (empört): „Jedes Spiel ist wichtig.“

Am Ende hat er auf Südkorea-Griechenland verzichtet. Den Nachmittag aber verbrachte ich im Exil, auf der Couch in einer Buchhandlung, während zu Hause Argentinien - Nigeria lief. Abends schauten wir "Wilsberg" – und zappten um viertel vor zehn in die zweite Halbzeit von England - USA.

So wird das jetzt vier Wochen gehen. Und nicht nur zu Hause. Auch auf der Arbeit ist das ständige Verhandeln schon losgebrochen. Im Newsroom des Tagesspiegels laufen alle Spiele, natürlich mit Ton. Gleich am ersten Tag gab es Ärger um die Lautstärke. „Entschuldigung, liebe Kollegen, also wir redigieren hier noch Texte“, entfuhr es einem genervten Berlin-Redakteur während einer besonders lauten Phase von Südafrika gegen Mexiko. Der Ton wurde heruntergedreht, ein bisschen. „Da sieht man, dass ihr noch nie im Stadion geschrieben habt“, gab ein Sportreporter-Veteran zurück. „Also ich kann bei jeder Lautstärke schreiben.“ Der Ton wurde wieder hochgedreht. So wird das jetzt jeden Tag gehen, vier Wochen lang. Der Fußball hat Deutschland gespalten, der Kleinkrieg um die Fernbedienungen der Republik ist eröffnet. Danke, Fußball.

Stattdessen heute

Wer noch Macht über seine Fernbedienung hat, kann Polizeiruf gucken. Viele Tagestipps außer Haus bei Zitty.

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