Tempelhof : Think big: Berlin Festival wächst

Das "Berlin Festival" von Hilary Kavanagh und Conny Opper wächst. Am Wochenende startet es auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof – mit Peter Doherty, Jarvis Cocker und anderen Größen.

Nana Heymann
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Berge versetzt. Hilary Kavanagh und Cornelius Opper teilen eine Leidenschaft: die zur Musik. Für ihr „Berlin Festival“ in...Foto: Steinert

BerlinHilary Kavanagh und Cornelius „Conny“ Opper teilen eine große Leidenschaft: die zur Musik. Als sich die beiden vor fünfeinhalb Jahren zum ersten Mal in Oppers Club „Rio“ begegnen, kommen sie schnell miteinander ins Gespräch. Im Hintergrund knallen die Beats aus den Boxen, um sie herum ist es voll und stickig. Nach gut zwei Stunden intensiver Unterhaltung über Lieblingshits und Lieblingsbands stellen sie nicht nur fest, dass sie den gleichen Musikgeschmack haben, sondern auch, dass ihrer Wahlheimat Berlin ein anständiges Musikfestival fehlt. Dieser Feststellung lassen sie schnell Taten folgen, aus dem Treffen im „Rio“ wird eine Geschäftsbeziehung: Im Sommer 2005 organisieren Hilary und Conny erstmals das „Berlin Festival“, damals noch im Dorf Paaren im Glien, kurz hinter Spandau.

An diesem Wochenende findet das Festival zum vierten Mal statt – im vergangenen Jahr mussten die Veranstalter aussetzen, weil ein Partner ausgestiegen war und es Probleme gab mit dem Veranstaltungsort, dem alten Poststadion in Moabit. Jetzt findet der zweitägige Konzertmarathon zum ersten Mal auf dem stillgelegten Flughafen Tempelhof statt. Headliner sind Peter Doherty, der am Freitag auftritt, und Jarvis Cocker, der am Sonnabend auf der Bühne steht. Weitere Highlights sind Deichkind, Junior Boys und Bonaparte. „Wir verfolgen den Ansatz, unsere alten Helden herzuholen und neue Bands zu entdecken“, sagt Conny Opper. Er freut sich besonders auf die Show von Moderat, dem neuen gemeinsamen Projekt der Berliner Elektronik-Acts Modeselektor und Apparat sowie der Visual-Arts-Künstler Pfadfinderei.

Dass Hilary Kavanagh und Conny Opper ihr Festival nun in Tempelhof veranstalten, daran war noch vor zwei Jahren nicht zu denken. Das Gelände sei viel zu groß, befand Hilary damals. Vor 13 Jahren kam sie aus Irland hierher, ihr Mitstreiter lebt seit 1994 in der Stadt und stammt ursprünglich aus Bremen. Nun haben sie es sich doch anders überlegt, vor allem, weil der Besucherzuspruch stetig gewachsen ist. „Wir mussten hart um Tempelhof kämpfen, um den Senat von unseren Plänen zu überzeugen“, sagt Conny. „Umso mehr freut es uns, das einzige Festival dort zu sein.“ Genutzt wird nur ein Teil des Areals, damit sich die Veranstaltung nicht verläuft. Zwei große Bühnen wird es geben, dazu drei Tanzflächen, die von verschiedenen Clubs und DJs bespielt werden. Die Hauptbühne wird so auf dem Rollfeld platziert, dass sie sich noch unter dem großen Vordach befindet. Sollte das Wetter nicht mitspielen, werden Künstler und Besucher trotzdem nicht nass.

Das Thema Komfort ist ohnehin einer der größten Pluspunkte des „Berlin Festivals“. Die Veranstaltung sei „für Leute, die eigentlich keine Festivals mögen“, sagt Conny. Für Menschen also, die nicht hunderte Kilometer in die Pampa fahren wollen, bloß, um dort knietief im Matsch zu stehen. Für Menschen, die abends lieber wieder im eigenen Bett liegen als in einem winzigen Zelt, das nach Männerschweiß riecht.

Auch in den kommenden Jahren soll das Festival auf dem Flughafengelände stattfinden: „Wir wollen mit dem Ort wachsen“, sagt Conny, der an der UdK Architektur studiert hat. Es sei eine große Ehre, die Veranstaltung an diesem historischen Ort ausrichten zu dürfen.

Bislang sind mehrere tausend Karten verkauft, die Veranstalter rechnen mit bis zu 10 000 Besuchern. Gut ein Jahr haben die Vorbereitungen gedauert. Eine Woche vorher fange man schon wieder an zu entspannen, sagt Hilary, weil der Kopf auf Autopilot gestellt ist und der Spannungsmodus des Körpers nachlässt.

Manche Künstler haben erst zu- und dann wieder abgesagt, andere hatten Sonderwünsche. So baten „Deichkind“ um eine extra große Bühne, weil sie ihre Show vor einer überdimensionalen Kulisse inszenieren wollen. Ansonsten seien die Künstler aber sehr umgänglich und bescheiden.

Als neulich Connys Handy klingelte und der Tourmanager von Peter Doherty dran war, befürchtete er schon Schlimmes. Doch der Mann bat nur um einen zusätzlichen, dritten Gästelistenplatz. Conny wertet das als Indiz dafür, dass der für seinen exzessiven Lebenswandel berühmte Rocker auch tatsächlich kommen wird. Und Hilary fügt hinzu: „Seit er sich offiziell nicht mehr Pete, sondern Peter nennt, hat er noch keinen Auftritt verpasst.“ Das lässt doch fürs Wochenende hoffen.

Berlin Festival: kommenden Freitag und Sonnabend. Tagesticket 32 Euro, Kombiticket 49 Euro.

Peter Doherty

Abstürze, Drogen – nichts kann dem Image des Songwriters etwas anhaben. Er ist für Freitag, 0.30 Uhr, angesagt. Deichkind

Die Gaga-Band entschied sich, trotz des Todes eines Mitglieds, das Festival zu feiern. Wird Samstag, 24 Uhr, die letzte große Party?

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