Tempodrom : Der Herr der Karten

Begonnen hat Klaus-Peter Schulenberg als Musikmanager für Schlagerstars - heute ist der 58-Jährige der Chef des Ticket-Riesen Eventim. Und übernimmt bald das Berliner Tempodrom.

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Unter einem Dach. Das Tempodrom gehört nun dem Waldbühnen-Betreiber. -Foto: Rückeis

Er hat sie alle in seiner Tasche. Wer in diesem Jahr in Berlin Rod Stewart, Alicia Keys oder die Scorpions live sehen will, der kommt um Klaus-Peter Schulenberg kaum herum. Auch wer Tickets für die Auftritte von Peter Maffay, Otto Waalkes oder Eric Clapton im Internet kauft, trägt damit dazu bei, den Einfluss und den Reichtum des Mannes zu mehren, der mit seiner Firma CTS Eventim als Europas größter Tickethändler und Marktführer bei Konzertveranstaltungen gilt.

Jetzt will der 58-jährige Unternehmer sein Imperium um einen weiteren Baustein ergänzen: In den nächsten Tagen soll der Kaufvertrag für das Tempodrom unterschrieben werden. Schulenbergs Firmengruppe KPS hat, wie berichtet, ein Angebot für den überschuldeten aber mit einem lukrativen Veranstaltungsgeschäft gesegneten und derzeit vom Veranstalter Treugast gepachteten Kreuzberger Kulturbau abgegeben, das Insolvenzverwalter und Banken überzeugt hat.

Damit etabliert sich der millionenschwere „Kartenfürst“ („Capital“), der bislang eher im Hintergrund die Fäden zog, als feste Größe im Berliner Veranstaltungsgeschäft. Vergangenes Jahr hatte Schulenberg bereits die Waldbühne als Betreiber übernommen, die aber nur im Sommer bespielt werden kann. Da passt das rund ums Jahr buchbare Tempodrom perfekt ins Berliner Portfolio.

Ein festes Standbein hat der Bremer Unternehmer in Berlin allerdings schon länger, wenn auch bislang von der größeren Öffentlichkeit unbemerkt. Seit 2003 organisiert Schulenbergs Konzern exklusiv den Ticketverkauf über die Website der Berlin Tourismus Marketing GmbH, die Berlin weltweit vermarktet. Auch auf der offiziellen, vom Senat mit dem privaten Partner Berlin Online betriebenen Website „berlin.de“ landet man bei CTS Eventim, wenn man eine Karte für eines der angepriesenen Kulturereignisse kaufen will. Der Vorverkauf für die Fußball-WM lag ebenfalls in der Regie von Schulenberg und seiner inzwischen mehr als 1000 Mitarbeiter zählenden Firmengruppe – wie auch der Ticketverkauf für die derzeit laufende Berlinale.

Wieso gerade sein Unternehmen überall präsent ist? Schulenberg selbst äußert sich derzeit nicht auf Presseanfragen, seine Geschäftspartner schon. „Wir wollten ein möglichst breites Angebot an Tickets anbieten und CTS Eventim hat einfach ein besonders großes Portfolio“, sagt Christian Tänzler von der Berlin Tourismus Marketing GmbH. Ähnlich äußert sich Olf Dziadek, Chefredakteur von berlin.de: „CTS hat in Berlin die großen Häuser unter Vertrag, so können wir unseren Kunden ein breites Angebot machen.“

Schulenbergs Bandbreite reicht von Klassik über Rock und Pop bis zu leichter Muse und Schlager. Eine Mischung, der der als ehrgeizig, hart und konsequent geltende Konzernchef seinen spektakulären Aufstieg zu verdanken hat. Der begann in der Schulzeit. Sein erstes Geld verdiente er als Manager des Schlagerbarden Bernd Clüver – damals war Schulenberg 17. Sechs Jahre später, 1977, organisierte der Newcomer, der inzwischen sein BWL-Studium an den Nagel gehängt hatte, sein erstes Großkonzert, die Rolling Stones in Bremen. In den Folgejahren baute er sein Imperium auf, kaufte Anzeigenblätter und den defizitären Ticketvermarkter CTS. Er krempelte das Unternehmen um und vermeldet heute dank jährlicher Ticketverkäufe im zweistelligen Millionenbereich einen Umsatz von rund 400 Millionen Euro.

Was Schulenberg, der ein von der Öffentlichkeit abgeschirmtes Leben lebt und privat am liebsten klassische Musik von Dvorak oder Beethoven hört, mit dem Tempodrom vorhat, verrät er noch nicht. Nur so viel: Das Haus soll als „führender Live-Veranstaltungsort in Berlin für Künstler als auch für das Berliner Publikum erhalten“ bleiben. Heute Abend tritt im Tempodrom übrigens Star-Gitarrist Paco de Lucia auf – auch dafür läuft der Kartenvorverkauf über CTS.

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