The Promised City : Teil drei - Der Konzertwahnsinn

Lukasz Kaminski schreibt normalerweise für die polnische Tageszeitung "Gazeta Wyborcza". Im Rahmen des Projekts "The Promised City" ist er Gast beim Tagesspiegel und beschreibt, wie er Berlin erlebt.

Lukasz Kaminski
Lukasz Kaminiski schreibt über sein Berlin.
Lukasz Kaminiski schreibt über sein Berlin.Foto: Thilo Rückeis

Es gibt dieses polnische Sprichwort: "Von einer guten Sache kann man niemals genug haben". Das klingt hübsch - ist aber natürlich totaler Quatsch. Versuchen sie einmal, das zu sagen, wenn sie am Morgen nach zuviel Weinkonsum in den Spiegel schauen.

Aber wir reden hier nicht über Alkohol. Heute geht es um die Konzert-Szene in Berlin, betrachtet aus der Perspektive eines radikalen Musikfans (von Pop bis Punk, von Death bis Dance) aus Warschau. Das, was mir als erstes aufgefallen ist, ist die unnatürliche riesige Zahl von Konzerten, die man in Berlin besuchen kann. Davon kann einem ganz schwindelig werden.

Das ist einer der Gründe, aus dem junge (und, ja, auch nicht mehr ganz so junge) Polen so häufige hierher kommen: Die Zugtickets sind nicht besonders teuer, die Anreise ist relativ kurz und bequem. Glauben Sie mir, eine Menge Leute wie ich schauen regelmäßig im Internet nach, welche Bands nach Berlin kommen. Wir kommen wegen der großen Namen her, und auch, um Undergroundbands zu sehen. Wir kommen, weil wir es satt haben darauf zu warten, dass sie alle nach Polen kommen: So wie Madonna, die erst im vergangenen Jahr ihr erstes Konzert bei uns gegeben hat.

Um ehrlich zu sein, und auch, wenn es komisch klingt: Es hat auch seine Vorteile, nicht so ein großes Angebot zu haben. Wenn ich Ihre Möglichkeiten hätten, dann wäre ich ganz schnell pleite. Seit ich hier in Berlin bin, studiere ich täglich die Zitty, um herauszufinden, zu welchem Konzert ich an diesem Abend gehen könnte.

Aber zurück zu den Konzertunterschieden zwischen Warschau und Berlin: Interessant sind für mich auch die Reaktionen auf die Bands.

Ich will ja nicht behaupten, dass Berliner kühl sind, doch wenn es darum geht, sich wie ein Berserker aufzuführen, sind wir unschlagbar, und wirklich kaum zu stoppen.

Warum das so ist, das lässt sich wirklich schwer sagen. Wir feiern zwar gerne Partys, aber sind nicht gerade das offenste Volk der Welt. Die einfachste Erklärung wäre wohl, dass wir immer noch sehr hungrig nach Musik sind. Und weil der Zugang für uns immer noch begrenzt ist, und wir jede Gelegenheit nutzen, die wir haben.

Der dritte große Unterschied ist das Thema Rauchen. Das Verbot, das sie hier haben, ist gut. Es ist gesund, nicht nur für die Fans, sondern auch für die Künstler - in einer Rock´n´Roll-Band zu spielen, ist natürlich der größte Traum, der einem erfüllt werden kann. Wenn man das aber jeden Abend macht, kann das schon ziemlich ungesund sein.

In Warschau haben wir noch kein Rauchverbot. Manche Clubs versuchen, das durchzusetzen, aber mit lausigem Erfolg. Deshalb bitte manchmal die Bands das Publikum, mit dem Rauchen aufzuhören. Das wiederum funktioniert ziemlich gut. (Haben Sie so etwas hier schon einmal erlebt?)

Und wo wir beim Rauchen sind: eine Sache müsste ich da noch erwähnen. Berliner sind viel liberaler, wenn es um Marihuana geht. Ich sehe (oder rieche) regelmäßig Leute, die Gras rauchen, ohne von der Security daran gehindert zu werden. Es ist schwer für mich zu sagen, ob das gut oder schlecht ist. Ich bin kein großer Drogenfan, aber auch ein entschiedener Gegner eines strikten Marihuana-Verbots.

Übersetzung: Rita Nikolow

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