Theater : Ein Hexenkessel fürs Umland

Das Hexenkessel-Hoftheater, die Märchenhütte im Monbijoupark und Clärchens Ballhaus bekommen eine Sommerfrische im nördlichen Umland: Die Betreiber der Bühne in Mitte übernehmen ein Schloss bei Oranienburg.

Alexander Fröhlich
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Bunte Truppe. Berliner Theaterleute entern das Umland. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Die Betreiber wollen das 1743 erbaute Schloss Schwante im Landkreis Oberhavel kaufen. 170 000 Euro verlangt die Kommune dafür, obendrauf kommen einem Gutachten zufolge noch einmal etwa drei Millionen Euro für die Sanierung.

Bis Dezember soll der Kaufvertrag stehen, sagt Bürgermeister Peter Leys. Bereits im Sommer 2010 könnte es im Schloss und im angrenzenden Park Theateraufführungen geben, sagt Christian Schulz, der Hexenkessel-Geschäftsführer. „Wir waren auf der Suche nach einem Ort als Sommerfrische, wollen den Berlinern auch außerhalb etwas bieten. Also schlagen wir die Achse ins Umland. Alle wollen im Sommer raus, wir auch.“ Schulz ist begeistert von dem „romantischen“ Ensemble mit Park.

Die Geschichte des zweigeschossigen Schlosses mit drei Flügeln ist wechselvoll, wie auch die Namen ihrer Bewohner. Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Schloss zeitweise ein Behelfskrankenhaus für Typhuskranke, dann Bildungsstätte der DDR-Jugendorganisation FDJ, ab 1962 dann Sitz der Gemeindeverwaltung. Bis 1996 war es Honorarkonsulat. Seither steht es leer, vor drei Jahren konnte die Gemeinde wieder darüber verfügen. Nach mehreren Anläufen hat der Verkauf nun geklappt, der Gemeinderat war vom Konzept der Hexenkessel-Betreiber überzeugt

Zu den genauen Plänen wollte sich der Hexenkessel-Chef noch nicht äußern. Nur soviel: „Man muss so einen Ort fühlen. Wir sind keine Eventagentur, die irgendwo etwas künstlich hinzaubern will. Wir entwickeln unsere Projekte aus dem Ort heraus.“ Vorstellen könnte sich Schulz, dass für seine Berliner Bühnen in Schwante geprobt wird, es Ausstellungen gibt und Konzerte wie in Clärchens Ballhaus. Und natürlich Theater, Theater. „Es sind hervorragende Voraussetzungen. Wir haben ja immer Sachen gemacht, die einen gewissen revolutionären Charakter haben, Märchenhütte, das Theaterschiff am Bodemuseum.“

Bevor in Schwante aber die Revolution ausgerufen wird, müssen Fenster und Fassade im Schloss erneuert werden, ganz dringend: Im Dachstuhl sitzt der Schwamm. Erfahrung mit alten Häusern hat das Unternehmen schon, wie bei der Sanierung von Clärchens Ballhaus. „Das Bauen ist uns lieb und teuer, das haben wir gelernt.“

Angst, die Bewohner von Schwante mit den Projekten zu verschrecken, hat Schulz aber nicht. „Wir fühlen uns gut aufgenommen, wollen sanft rangehen und einen kulturellen Austausch zwischen Schwante im Umland und Berlin hinbekommen.“Alexander Fröhlich

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