THEKEN Tanz : Einkehr im Maigold

Durch Schöneberg zu schlendern, in den Kiezen südlich und südwestlich vom Nollendorfplatz, zählt zu den angenehmen Erlebnissen in Berlin. Und im Maigold lohnt es sich zu pausieren.

Frank Jansen
Maigold Foto: David Heerde
Fast wie Barcelona. Schöneberg hat viele nette Ecken, so auch das Maigold. -Foto: David Heerde

Mag der Stadtteil auch nicht so glamourös erscheinen wie Mitte, nicht so rau wie Kreuzberg, weniger flippig als Friedrichshain und halb so wohlhabend wie Dahlem, verströmt doch der Mix aus Bars, Cafés, Restaurants, Winterfeldt-Markt, Antiquitätenläden, Viktoria-Luise-Platz, Schwulenszene und vielen hübschen Gründerzeitfassaden ein fast mediterranes Laissez-faire-Flair. Es erhebt Schöneberg in den Rang, das barcelonesischste Viertel der Stadt zu sein.

Das Maigold passt auf den ersten Blick gut ins Quartier. Draußen stehen Biergartenbänke, mit heller Auflage bespannt und veredelt, innen fällt als Erstes das Design des Tresens auf: ein langer, gerader Korpus, an der Frontseite sehr schön mit schwarz schimmernden Bruchsteinen ornamentiert. Die runden Barhocker sehen klassisch alt aus, alle haben schwarze Sitze – bis auf einen, der leuchtet rot. Ansonsten kann man im vorderen Raum auf harten schwarzen Holzbänken sitzen oder auf abgeschabten, schalenartigen Hellholzstühlen. Der hintere Raum prunkt hingegen als Lounge mit dicken roten Sofas, weißen Sitzwürfelkörpern und einer Bücherwand, in der sich auch Stephen King und ein mysteriöses Werk mit dem Titel „Das Echo Deiner Stimme“ finden. Vielleicht hat es einen zwiespältigen Einfluss auf den Keeper: Die Musik aus den Boxen war anfangs zu laut, ging aber später in wunderbaren, kommunikationskompatiblen E-Tango über. Der Keeper kam schnell und brachte mit der Karte gleich ein Glas Wasser. Aus der üppigen Karte bestellten der drinking man und sein compañero zunächst einen Gin Tai, der ungewöhnlich schaumig erschien und zudem mit einer Ananasnote überraschte, und einen Mai Tai, eher unsüß, aber angemessen stark und erfrischend. Es folgte ein tiefroter Frozen Strawberry Daiquiri, von dem der Keeper sagte: „Ich habe ihn nicht richtig frozen hinbekommen.“ Das war nicht ganz falsch, obwohl der Strohhalm in Glases Mitte stehen blieb. Dennoch schmeckte auch dieser Drink, schon weil das Erdbeeraroma wuchtig war. Der Tonga Punch (in der Karte etwas unklar als Mix aus Havana Club, Myer’s Rum, Maracujasaft, Liqueur, Batida de Coco, Maracujanektar präsentiert) spülte die Südsee in Kopf und Leber – ein berauschendes Erlebnis, ohne Reue. Doch sie meldete sich beim Gimlet, der zu sauer geraten war. Der Singapore Sling hingegen überzeugte.

Der drinking man wird auf seinen Streifzügen bestimmt noch öfter im Maigold pausieren. Aber Sitzkissen für Holzbänke und -stühle wären nett.

Maigold, Merseburger Straße 7 in Schöneberg, Tel. 0177-941 28 08, Di-Do 19 bis 3 Uhr, Fr/Sa bis 5 Uhr.

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