THEKEN Tanz : Triobar

Frank Jansen

Der Anblick verwirrt. „Zu vermieten“ prangt an der hohen Außenscheibe, und darüber steht in kleineren Buchstaben „keine Bar“. Doch die Tür ist offen. Wie jetzt? Sind schon die Möbelpacker in das kleine Lokal eingerückt? Trinken Keeper und Servierdamen schnell noch die Reste, bevor ein gänzlich unalkoholisches Business hier einzieht? Etwas irritiert tappten drinking man und compañera an einem Sonntagabend durch den Eingang. Und landeten in einer Art Voodoo-Höhle. Afrikanische Masken an den Wänden, Barhocker mit Leopardenimitat, Bastmatten an den Tresen. Doch die Erscheinung des Keepers erinnerte an einen Bierfan im eigenen Garten: Blaues Heineken-Poloshirt, kurze Cargohose, nackte Beine. Und hier soll der Trinktempel Berlins ansässig sein? Die Triobar genießt ja einen mythischen Ruf. Und nennt sich selbst „Institut für angewandte Barkultur“.

Der schmale Raum erlaubt nur maximal 20 Gästen, gleichzeitig den Zeigefinger zu heben. Es gibt angeblich auch noch eine hintere Lounge, doch sie war zu. Selbstbewusst verneinte der Mann mit dem Heineken-Dress die Frage nach einer Karte. Der Gast soll sagen, was er ungefähr möchte, alles andere bleibt dem Keeper überlassen. Pardon, dem bartender. Auf diesen Titel legt er Wert.

Der Bartender schiebt den Gästen laufend Probiergläschen mit wunderbar aromatischen und in anderen Bars selten oder nie zu sehenden Spirituosen hin. Ein St. Germain Elderflower (Holunderblütenlikör) verzückt schon beim Nippen, der Tanqueray Rangpur begeistert jeden Gin-Fanatic. Irgendwann kamen drinking man und compañera auch dazu, sich ihren Cocktails zu widmen. Präsentiert wurden in einem tulpenartigen Glas ein Mai Tai (mit jamaikanischem Zuckerrohrsirup), auf Wunsch der compañera eher soft und dennoch superb geraten, sowie ein Lebensstern (mit Saffron Gin und Birnenlikör von Boudier). Der grandiose Cocktail ist, wie vermutlich einigen Lesern auffällt, mit dem Namen der neuen Bar über dem Café Einstein identisch. Nicht ohne Grund: Die Komposition wurde von dort übernommen. Zufälligerweise tauchte an diesem Abend auch der Besitzer des Lebensstern in der Triobar auf. Und ein weiterer Bartender. Ein gutes Zeichen. Hier trinken Connaisseure. Und fachsimpeln innig.

Ein kleines Manko gibt es doch: Das eigentlich obligate Glas Wasser zum Cocktail musste der drinking man erst bestellen. Dann kamen ein fantastischer Gimlet (mit Tanqueray Rangpur) und ein, so stand es in der Rechnung AF (steht für Alkohol Frei; mit Cranberry-Limetten und Ahornsirup). Die compañera war sehr angetan. Geschieht nur selten.

Die Triobar ist, auch wenn man es ihr nicht gleich ansieht, ein Kunstwerk. Am 15. August wird es schließen, doch keine Bange: Im September geht’s in der Schaperstraße in Wilmersdorf weiter. Allerdings müssen Gäste eine „Tages- oder Jahres-Membership“ erwerben. Das könnte sich lohnen. Frank Jansen

Triobar, Eisenacher Straße 10, Schöneberg, Reservierung notwendig unter 0163 - 207 56 77, do. bis so. ab 19.30 Uhr

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