THEKEN Tanz : V.U.P.

Frank JansenD
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David Heerde

Eigentlich wollte der drinking man ins „White Trash“ an der Schönhauser Allee. Das Lokal, ein Mischmasch aus Ex-ChinaRestaurant und früherem Irish Pub, mutiert zum Burger-meets-Cocktail-Rummel, erschien jedoch für einen Alleintrinkabend zu nervig. Also wieder raus, unschlüssig herumgelaufen und im Pfefferberg gelandet, der ewigen Baustelle. Links oben blinkt das rudimentär verputzte „V.U.P.“, auf der Karte neben der Tür standen allerdings keine zehn Cocktails. Und auf einer Tafel war „Fußball“ angesagt. Cocktails und Fußball? Egal. Es regnete – aber womöglich würde das V.U.P. doch positiv überraschen. Was es dann, soviel sei schon verraten, auch tat.

Der Raum ist sehr hoch und rustikal drapiert. Eine Wand ist ein schiefes Backsteingewirr, das Fantasien mit einstürzenden Altbauten weckt. Grober Putz bedeckt eine andere Mauer, unter der weißgetünchten Rohbaudecke hübscht eine niedliche Diskokugel den Lagerhallenlook auf. Der Boden wurde mit Spanholzplatten verschraubt, der Tresen ist eine schwarze Stahlkonstruktion, über der ein monströser, golden angepinselter Behälter dräut. Die ebenfalls stählernen Barhocker wurden offenbar aus Panzersperren geformt, mit putzig-rotem Rundsitz obendrauf. An den Wänden stehen elegante rotgepolsterte Bänke mit hohen Rückenlehnen. Ein interessanter Raum, gut geeignet für eine Post-Punk-Party oder existenzialistisches Sinnieren über die Vergänglichkeit von Schwerindustrien.

An jenem Abend hatte das Publikum jedoch nur das Geschehen auf der Leinwand über dem DJ-Pult im Blick. Champions League. Machen wir es kurz: Der drinking man, ein ewiger Fan des FC Barcelona, interessierte sich nur mäßig fürs Geläuf der Kicker aus München, Turin oder Chelsea.

Zu den Drinks: Die sehr nette, drahtige Keeperella brachte einen Gimlet. Er schmeckte erstaunlich gut, sehr mild. Die Dame hatte ihn mit Bombay Sapphire angerichtet – allerhand in einer Bar, in der angesichts der Miniauswahl an Cocktails die woanders unvermeidliche Massenspirituose „Gordon’s“ zu erwarten war. Und in diesem Gimlet stimmte sich der Gin perfekt mit dem Lime Juice ab. Prompt gut gelaunt entschloss sich der drinking man, den Wuchtcocktail Long Island Ice Tea zu ordern. Wieder keine Enttäuschung. Ein angenehm erfrischender Mixdrink wurde von der flinken waitress serviert. Danach war unerheblich, dass der VfL Wolfsburg bei Manchester United knapp verlor.

Nur: Was heißt V.U.P.? Die Keeperella lachte laut, „very unimportant person!“ Stimmt ja auch, solange Lionel Messi und die anderen Götter des FC Barcelona nicht hereinschauen. Frank Jansen

V.U.P., im Pfefferberg, Schönhauser Allee 176, Tel. 44 38 33 42, Zeiten wegen Bauarbeiten auf dem Gelände unregelmäßig.

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