Tierschutz : Zweiohrprotest

Aktion mit Hasenohren: Wie ein Playboybunny kurz vor Ostern gegen Kaninchenzucht demonstriert.

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Janine Habeck ist Bunny von Beruf und protestiert gegen Tierquälerei. -Foto: Davids

Die ganze Sache wirkt ein wenig handgestrickt. Da stehen drei hübsche, sehr leicht bekleidete Mädchen mit großen schwarzen Hasenohren auf dem Kopf, und sie halten vor sich ein rotes, mit schwarzem Filzstift beschriftetes Pappherz. Es gibt vage Auskunft über Sinn und Zweck der Aktion: „Bunny’s für Bunny’s“. Ein Fotograf gibt Anweisungen: „Kai, hol mal noch einen Käfig!“ Kai holt und beschwert sich: „Ich heiß Jan.“ Die Mädchen reiben sich fröstelnd über die Netzstrümpfe.

Es geht um Kaninchen. Die werden, glaubt man dem in Köln ansässigen „Deutschen Tierschutzbüro“, gerade zu Ostern in großen Mengen aufgegessen und vorher – ähnlich wie Hühner – unter offenbar unerfreulichen Bedingungen aufgezogen. Gegen solche Missstände gehen die einschlägigen Organisationen grundsätzlich mithilfe von Models vor, die sich mehr oder weniger nackt ablichten lassen und dann das Erwartbare zu Protokoll geben: Das mit den armen Tieren sei eine Schande und müsse aufhören.

Der Star dieser Fotositzung im kühlen Friedenauer Dachstudio ist Janine Habeck. Sie trägt den offiziellen Titel „Playmate des Jahrtausends“, was ungefähr bedeutet, dass die Leser des „Playboy“-Magazins sie über alle Maßen toll finden; wenn man darüber hinaus weiß, dass dieses Blatt seine auserwählten Schönheiten gern im stilisierten Hasenkostüm auftreten lässt, eben als Bunny, dann ist die Brücke zu den gequälten Kaninchen fertig.

Janine, 26, absolviert den Fototermin mit routinierter Freundlichkeit. Das hübsche Gebiss leuchtet wie eingerastet, die Löffel wackeln, eine schwarze Corsage stemmt die Brüste hoch, hält sie aber in blickdichter Sicherheit – ansonsten ist das Jahrtausend-Playmate verschwindend schlank, man möchte ihr umgehend eins von den belegten Brötchen reichen, die im Hintergrund warten. Doch erst wird fotografiert, zunächst Janine solo, dann zusammen mit den beiden weniger bekannten Mit-Bunnys, immer kuschelnd mit den fünf Plüschhasen. Zu frivol soll die Botschaft nicht ausfallen, das wäre dem guten Zweck hinderlich; Zum Schluss darf auch noch der Jan aufs Bild, der sich einen Aufkleber „Kaninchenmast, nein danke“ aufs Revers gepappt hat.

Das alles sieht so in natura eher doof aus – man muss da wohl auf die Kraft des fertigen Fotos hoffen und die Kunst der digitalen Nachbearbeitung, die die schmächtige Schöne allemal zur Göttin hochretuschiert. Janine Habeck gibt zwischendurch schnell ein TV-Interview und sich selbst dabei bodenständig: „Ich bin schon froh, dass ich wieder in Berlin bin“, sagt sie, „mir hat das deutsche Essen gefehlt.“ Dann drängelt sie ein wenig, weil sie auf den schätzungsweise zwei Meter hohen Absätzen nicht mehr stehen kann, aber da sind noch mehr Fotografen, die ihren Redaktionen auch was Heißes versprochen haben, das dauert halt.

Für den Mittag ist der Direktangriff aufs Publikum vorgesehen: Die Mädchen sollen Handzettel verteilen auf dem Kurfürstendamm, wo die Tierschützer ein Höchstmaß an gedankenlosen Kaninchenessern vermuten. Selbstredend findet der Einsatz im Bunny-Kostüm statt, der Hauch von Frühling kommt gerade recht. Am Ende sind alle zufrieden, das Ziel ist erreicht: Sie sind in der Zeitung.

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