Tipps : Schöner heiraten

Sich das Jawort in einem schlichten Dienstzimmer des Standesamtes geben, wer will das schon? Immer mehr Paare zieht es für den Ringetausch an ungewöhnliche Orte.

Hadija Haruna
säulensaal
Aus Remscheid ins Rote Rathaus. Jochen Krieger und Manuela Schwichtenberg waren eigens aus Nordrhein-Westfalen nach Berlin...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Lars hat Anne gefragt und Anne hat „Ja“ gesagt. Die beiden Berliner sind eines der 527 Pärchen, die sich in vergangenen Jahr im Bezirk Mitte an einem besonderen Ort das Jawort gegeben haben. „Der Trend zu ungewöhnlichen Hochzeitsorten nimmt zu“, sagt Rainer Ahnert, Leiter des bezirklichen Standesamtes. 2008 sei erstmals die 500er-Grenze überschritten worden. Allerdings sind auch die Beamten in kaum einem anderen Bezirk so flexibel wie in Mitte, wo sie die Paare zur Trauung fast überall hin begleiten – zu insgesamt 67 außergewöhnlichen Orte. Mit dieser Auswahl liegt der Bezirk europaweit auf Platz eins.

„Die beliebtesten Orte sind derzeit das Palais am Festungsgraben, der Fernsehturm, das Opernpalais und der AquaDom, in dem wir unter Wasser trauen“, sagt der dienstälteste Standesbeamte Berlins. Während bundesweit die Zahl der Eheschließungen zurückgehe, verzeichne Mitte einen Anstieg: 2007 seien 1421, im vergangenen Jahr 1572 Paare getraut worden. Eine Auswahl neuer außergewöhnlicher Plätze soll jetzt dafür sorgen, dass dieser Trend anhält.

Einen Saurier als Trauzeugen bekommen Heiratswillige im Naturkundemuseum, zumindest in Skelettform. Als Erste gaben sich hier 2008 im Saal der Riff-Ausstellung Ronnie und Anka Peter zur „Langen Nacht der Museen“ das Jawort. Künftig kann hier morgens, kurz nach der Öffnung des Museums, geheiratet werden. Für unkonventionelle Hochzeiten steht in Zukunft auch das E-Werk zur Verfügung. Die ehemaligen Fabrikhallen mit Industriecharme bieten Platz für viele Gäste.

Die staatliche Zeremonie ist für viele Paare die einzige. Doch auch Paare, die eine kirchliche Trauung nicht wollen, haben es, der erhabenen Gefühle wegen, gerne etwas feierlicher – ein Wunsch, dem das Standesamt Mitte gerne entgegenkommt. „Die Paare sind heute älter, haben einen tollen Job und möchten ihren Freunden und Verwandten etwas bieten“, sagt Ahnert. Kein Wunder, dass sich bei solch einem Angebot viele Paare außerhalb des grauen Standesamtes trauen lassen wollen und dafür auch gerne extra nach Berlin reisen. „Ein Drittel unserer Paare kommt nicht aus Berlin, und weil sich dieses Jahr die gesetzlichen Richtlinien geändert haben, erhalten wir jetzt auch viele Anfragen aus dem Ausland.“

Auch Charlottenburg-Wilmersdorf hat diesen Trend neuerdings für sich entdeckt. Mit 1672 Trauungen im vergangenen Jahr ist das Standesamt des Bezirks das beliebteste Berlins. Bisher hatte es lediglich drei Trauungsorte im Angebot, die Villa Kogge in Alt-Lietzow, das Rathaus Schmargendorf und den Intarsiensaal des Rathauses an der Otto-Suhr-Allee. Jetzt bietet es zwölf neue Plätze zum Heiraten an, darunter die Rotunde und den Ostflügel der Orangerie im Schloss Charlottenburg sowie den VIP-Bereich des Olympiastadions. Auch auf fünf Schiffen können Heiratswillige in den Hafen der Ehe einlaufen.

Das Heiraten an schönen Orten in Berlin kostet Paare derzeit die Verwaltungsgebühr von 33 Euro (ausländische Paare zahlen 55 Euro) plus 55 Euro für die Außentrauung. Eventuell fallen noch Kosten für die Miete an. Die Verwaltungsgebühr wird dieses Jahr allerdings noch auf 40 Euro erhöht. Ausländische Paare zahlen dann etwa 70 Euro oder mehr.

Das Standesamt in Mitte ist immer auf der Suche nach neuen außergewöhnlichen Orten und freut sich über Vorschläge der Heiratswilligen: „Erst kürzlich fragte ein Paar nach, ob es in einer altehrwürdigen Bibliothek heiraten könne“, sagt Ahnert. Befinde man Vorschläge wie diesen für gut, müsse das Paar selbst am Wunschort nachfragen, den Rest organisiere das Standesamt. „Bisher mussten wir nur eine Anfrage ablehnen: ob wir ein Paar in einem Sadomaso-Club trauen könnten.“

Der Amtsleiter glaubt, dass dieses Jahr die Zahl der Eheschließungen ein neues Hoch erfährt. Viele Paare hätten sich bereits angemeldet oder die Hochzeitsunterlagen angefordert. „Ich denke, 2009 wird ein richtiges Heiratsjahr.“

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