Tourismus : Frohe Botschaft für Handel und Hotellerie

Kein Grund für Krisenstimmung: Berlin hat mehr Besucher zum Fest empfangen als im Vorjahr. Unternehmer rechnen weiterhin guten Geschäften.

Annette Kögel
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Der kleine Henrik ist glücklich. Der Weihnachtsmann war schon in der Kita, an den Tannenbäumen in den Potsdamer Platz Arkaden hängen so schöne Christbaumkugeln - und seine Eltern Kirsten und Axel Albert aus Kreuzberg haben ihrem Sohn gerade eine Tüte Maroni auf dem Weihnachtsmarkt gekauft. "Frohes Fest" - dieser Wunsch ist vielerorts in der Stadt real geworden. Hotellerie und Gastronomie sind mit den Geschäften zufrieden, und die Händler freuen sich, dass die Kunden nicht so sehr sparen, wie man es in Zeiten der Finanzkrise hätte erwarten können.

Zu Weihnachten herrscht Kommen und Gehen. Die einen haben vom Dauergrau die Nase voll. "Von Freitag bis Sonntag haben wir in Tegel und Schönefeld rund 150 000 Passagiere abgefertigt", sagt Flughafensprecher Ralf Kunkel. Viele seien "in Richtung Weihnachtsmann" geflogen, sagt er, nach Innsbruck oder Oslo. Aber "viele Leute fragen auch nach den Kanaren oder Ägypten", sagt der Mitarbeiter eines Reisebüros im Flughafen Tegel.

Laut Statistik kommt jeder zweite Passagier auf Berlins Flughäfen von auswärts - erst recht während der Weihnachtszeit. 1,25 Millionen Übernachtungen gibt es im Dezember 2008 in der hiesigen Hotellerie, sagt Christian Tänzler von der Berlin Tourismus Marketing. Die Hotels der Stadt seien sogar leicht besser gebucht als im Vorjahres-Weihnachtsmonat. Auch billige Unterkünfte sind voll, wie das "Alcatraz Backpacker Hostel" in Prenzlauer Berg. Silvester ist es sogar ausgebucht. Vor allem Gäste aus Ländern, in denen man Weihnachtsbräuche nicht kennt, genießen die Lichter und die mehr als 70 Märkte "von Trash bis Tradition", so Tänzler. "Wer nach Berlin kommt, der will was erleben", sagt er - und das können Besucher: Ob bei der Coca-Cola-Weihnachtsfete am Sonntag auf der Straße des 17. Juni, beim Comedymusical mit Ades Zabel "Wenn Ediths Glocken läuten" im Kreuzberger BKA-Theater - oder beim Weihnachtskonzert in der Philharmonie am ersten Feiertag. Sogar in authentischen Après-Ski-Hütten kann man feiern, am Potsdamer Platz und am Alex.

Die Adventwochenenden liefen nicht so schlecht, wie einige befürchteten

Guter Laune sind auch die meisten Geschäftsleute. Am verkaufsoffenen Adventssonntag war es so voll in den Einkaufsmeilen, dass man in den Tiefgaragen kaum einen Parkplatz fand. "In dieser Saison gibt es einen Boom bei den Navigationsgeräten, und Flachbildschirme wurden sehr oft gekauft", sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Günter Päts. "Die Adventswochenenden sind nicht ganz so gut gelaufen, wie wir nach dem ersten hofften - aber sie sind auch nicht so schlecht gelaufen, wie einige befürchteten."

Zwei Drittel der befragten Händler gaben an, die Vorjahresumsätze erreicht zu haben. "Im Hochpreissegment wird nicht gespart", so Päts. Ein Drittel der Geschäftsleute "mit Artikeln im mittleren Preissegment" sprach jedoch von Rückgängen. Nun hoffen sie auf die zweieinhalb Verkaufstage bis Heiligabend um 14 Uhr - und Kunden kauften zunehmend auf den letzten Drücker.

Dann kann man noch Schnäppchen machen, etwa bei Weihnachtsbäumen. Gespart wird indes vielfach bei den Weihnachtsfeiern, sagt Gastronom Antonio Mastrangelo vom Italiener "Arcino's" in Tegel. Klaus-Dieter Richter, Vizepräsident der Dehoga Berlin, bestätigt den Trend für ganz Berlin: "Das gehört offenbar nicht mehr zur Unternehmenskultur, hat aber sicher auch finanzielle Gründe." Er hofft noch auf einem Schub durchs lange Silvester-Wochenende.

Die Schüler Clemens, Adrian und Julian wissen sich da zu helfen. Sie spielten gestern am Potsdamer Platz mit Trompeten, Posaune - und Klingelbeutel "Stille Nacht, heilige Nacht". Annette Kögel

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