Tram-Unfall : Der leise Tod

Zum dritten Mal in diesem Jahr stirbt ein Fußgänger an einem Straßenbahnübergang. Die Verkehrsunfälle gehen jedoch nicht in die amtliche Statistik ein. Die Gefahren an den Kreuzungen sind den Verkehrsbetrieben bekannt.

Ein 81-Jähriger ist gestern früh von einer Straßenbahn erfasst und getötet worden. Der Rentner wollte die Greifswalder Straße in Prenzlauer Berg überqueren. Die Straßenbahn fährt dort auf der Mittelinsel auf einer eigenen Trasse. Wieso der Mann die Bahn der Linie M 4 nicht hörte, ist unklar. Der Mann starb kurz nach dem Unfall, ein Notarzt konnte nicht mehr helfen. Ein Unfallzeuge habe sich sofort um den Schwerverletzten gekümmert, hieß es bei der Feuerwehr. Die Linie war nach dem Unfall um 6.45 Uhr mehr als eine Stunde unterbrochen, die BVG fuhr ersatzweise mit Bussen. Der Unfallort liegt in einer Kurve, der Übergang ist jedoch mit so genannten Drängelgittern gesichert. Diese sind so angebracht, dass Fußgänger ihre Schritte – und damit ihren Blick – in Richtung der herankommenden Straßenbahn richten müssen. An der gleichen Kreuzung Greifswalder/Schieritzstraße war im Oktober bereits eine Fußgängerin getötet worden – ebenfalls eine Rentnerin. Die 69-Jährige war von einem Pkw erfasst worden, als sie die Fahrbahn überqueren wollte.

Es war der dritte tödliche Unfall mit einer Straßenbahn in diesem Jahr. Im September war in Wedding eine 38-jährige Fußgängerin getötet worden. Die Frau wollte mit ihrer 11-jährigen Tochter die Osloer Straße Höhe Prinzenallee überqueren. Mutter und Tochter betraten bei Rot die auf dem Mittelstreifen liegenden Gleise der Straßenbahn. Dabei übersahen sie eine Bahn, die Mutter war sofort tot, die Tochter wurde verletzt. Vor zehn Tagen war eine 76-Jährige von einer Straßenbahn in der Otto-Braun-Straße getötet worden, ebenfalls auf der Linie M 4.

Laut Statistik war es kein Verkehrsunfall

Auffallend sei, so hieß es bei der Polizei, dass in diesem Jahr der Anteil der Senioren unter den Verkehrstoten mit 40 Prozent ausgesprochen hoch ist: Von 53 Opfern waren 21 älter als 65 Jahre. Im vergangenen Jahr war jeder dritte Tote Senior. Seit Jahren gelten alte Menschen bei der Polizei als Risikogruppe. 2006 hatten die Verkehrssicherheitsberater der Polizei bei Veranstaltungen in Altersheimen 10 500 Rentner über die Gefahren aufgeklärt. Zu den Sicherheitstipps gehört vor allem, im Dunkeln helle und reflektierende Kleidung zu tragen.

Bei der Straßenbahn unterschätzten Fußgänger vor allem die Geschwindigkeit, hieß es bei der BVG. Besonders auf eigenen Trassen seien die Bahnen mit hohem Tempo unterwegs – so wie gestern an der Greifswalder Straße. Als Verkehrstoter gilt der 81-Jährige aber nicht, er geht nach Polizeiangaben in die Statistik für Schienenunfälle ein. Hintergrund ist eine bizarre Definition, nach der ein Unfall an einer Kreuzung zwischen Straße und Tram als Verkehrsunfall gilt, nicht aber einer an einem Fußgängerüberweg. Dies regelt das Straßenverkehrsunfallstatistikgesetz. Aber ob 53 oder 54 Tote: Drei Wochen vor Jahresende gibt es deutlich weniger Opfer als 2006. (Ha)

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