Trends : Vor der Suppe sind alle gleich

Restaurants, in denen Gerichte ausnahmslos in flüssiger Form serviert werden, liegen im Trend Angeblich wurde diese lukullische Mode durch eine Folge in der US-Sitcom-Serie "Seinfeld“ begründet

Nana Heymann,Sebastian Leber
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Kartoffel-Lauch-SuppeFoto: DSI

BerlinDie Krise ist bei Katharina Körner noch nicht angekommen. „Wir haben Konjunktur“, sagt die Inhaberin von „Soup Kultur“. Drei Filialen betreibt Körner in Charlottenburg und Mitte, täglich kann man dort zwischen sechs Sorten wählen, insgesamt 300 Liter verkauft sie pro Tag, und wöchentlich wechselt das Angebot. Gerade erlebe zum Beispiel die Tomatensuppe ihr Comeback: „Lange Zeit hat die gar nicht funktioniert. Dann habe ich ein Rezept mit Hackbällchen und frischem Basilikum ausprobiert, und plötzlich gab es einen Run.“ Ein „Evergreen“ hingegen ist die Kartoffelsuppe, sagt Körner. Vor allem bei Männern sei die beliebt – die würden generell kräftigere Rezepturen bevorzugen, während Frauen eher vegetarisch bestellten.

Mehr als ein Dutzend Suppenbars gibt es schon in Berlin. „Die Suppe ist viel mehr als ein einfaches Essen. Sie ist ein Symbol, eine hochanständige und ehrliche Speise“, sagt Körner. „Sie entspricht dem Urbedürfnis des Menschen nach schlichten, warmen Mahlzeiten. Vor der Suppe sind alle gleich.“ Mittlerweile laufen warme Suppen sogar im Sommer gut, vor zehn Jahren, als Körner ihre erste Filiale am Kurfürstendamm eröffnete, gab es da noch Saisoneinbrüche.

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Verkaufshit. Diese Woche serviert die Bedienung im „Suppen Cult“ unter anderem Gemüsegulasch mit Crème fraiche und frischer...

„Der deutsche Kunde hat ein ausgeprägtes Preisbewusstsein“, weiß Körner. Teure Zutaten wie Flusskrebse sind nicht drin, beim Maximalpreis von 3,90 Euro für 400 Milliliter Suppe. Auch Hülsenfrüchte gehen nicht. Sie sind zwar gesund, aber auch blähend. „Die schöne weiße Bohne lässt sich nur noch unter eine mediterrane Suppe unterschummeln.“

Über den Ursprung des Suppenbar- Trends wird gestritten. Die einen glauben, dass unter den Brokern an der New Yorker Wallstreet zuerst Lust auf Suppe aufkam. Die anderen verweisen auf die amerikanische Sitcom „Seinfeld“: In der Episode „The Soup Nazi“ versucht der Hauptdarsteller vergeblich, sich in einem Imbiss eine Suppe zu bestellen – er scheitert am tyrannischen Koch. Die Folge, es war die 116., wurde erstmals im November 1995 ausgestrahlt, anschließend mehrten sich in den USA Berichte über Suppenbar-Neugründungen. Im vergangenen Jahr stieg die Nachfrage nach Nudelsuppen – im Kinohit „Kung Fu Panda“ arbeitet Bär Po in der Suppenküche seines Vaters, ehe er zum Drachenkrieger wird.

Wer eine Ahnung bekommen will, wie groß die Nachfrage auch in Berlin ist, muss mittags zur „Suppenbörse“ in die Dorotheenstraße in Mitte gehen. In dem kleinen Laden nahe des S-Bahnhofs Friedrichstraße stehen die Suppenfans Schlange – nur wer Glück hat, findet einen Stehplatz an einem der Tische, um seine Portion auszulöffeln. Diese Woche zum Beispiel: Ayurvedische Spinat-Kokos-Suppe mit Ingwer oder marokkanische Linsen-Cumin-Suppe. Die ist unheimlich lecker, hat aber eine gewöhnungsbedürftige braune Farbe. Rote Suppen gehen am besten, sagt Marina Neumann, die Chefin. Also etwa Tomatensuppe oder Chili-Chicken. Das sei natürlich schade für ihre helle Hackfleisch-Käse-Lauchsuppe mit Senf, die habe geschmacklich auch das Zeug zum Verkaufshit. Neumann war früher Immobilienmaklerin – als das Geschäft gerade nicht so gut lief, wechselte sie die Branche. Bereut hat sie es nie.

Auch „Suppen Cult“ in der Prenzlauer Allee gehört zu den besonders beliebten Läden. Inhaberin Sylke Utler hat mehrere DIN-A4-Ordner voll mit Rezepten, rund 500 Gerichte müssten es sein, schätzt sie. Weil auch viele stillende Mütter zu ihrer Kundschaft gehören, achtet sie darauf, dass wenigstens eine Suppe ohne Zwiebeln, Knoblauch und Lauch auskommt. Sonst bekommen die Babys Blähungen. Konkurrentin Katharina Körner warnt vor zu ausgefallenen Experimenten: „Früher habe ich Suppen mit Seetang versucht, die haben aber nur mir gefallen.“

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