Stadtleben : Tropenhaus: Richtfest mit Eisbein

Udo Badelt

In diesen Tagen kann sich nichts und niemand dem Thema Fußball entziehen, auch nicht das Richtfest am Großen Tropenhaus im Botanischen Garten. Der Richtkranz ist mit zwei Deutschlandfahnen geschmückt, aus dem Gemurmel der Gäste dringen Satzfragmente wie „Dieser kleine Philipp…“ ans Ohr. Dann dürfen die geladenen Handwerker Platz nehmen. „In die letzte Reihe?“ – „Nee, wir sind doch Mittelfeldspieler!“ schallt es lachend aus der Runde. Beim Tag der Offenen Tür vor zwei Wochen machte sich die Öffentlichkeit in Hundertschaften ein Bild von den Sanierungsfortschritten am Großen Tropenhaus. Jetzt feiern rund 80 Bauarbeiter und Planer der 25 am Bau beteiligten Firmen, dass zwei Drittel der Arbeit geschafft sind. Im Frühjahr 2009 sollen die tropischen Pflanzen zurückkehren, im Sommer ist Eröffnung.

Polier Christian Zidek leitet die Zeremonie in lupenreinem Sächsisch. Seine Firma baut die Stahlfassade, die wie ein Kleid in die original erhaltenen und restaurierten Stahlträger eingehängt und später die Glasscheiben tragen wird. Zur Tradition eines Richfestes gehört es, dass ein Zimmermann den letzten Nagel in den hölzernen Dachstuhl schlägt. Da beim Tropenhaus nur Stahl zum Einsatz kommt, behelfen sich FU-Kanzler Peter Lange, der Leiter der Technischen Abteilungen bei der FU, Uwe Meising, und der Direktor des Botanischen Gartens, Thomas Borsch, mit einem Wettnageln auf einem symbolischen Holzbalken. Borsch gewinnt um Längen. In seiner Ansprache betont er das globale Renommee, das das neue Tropenhaus Berlin bescheren werde. Dann schwebt der Richtkranz am Kran nach oben, seine bunten Bänder baumeln wie die Tentakeln einer Qualle im blauen Himmel. Inzwischen wird das erste Bier ausgeschenkt und – noch so eine Richtfesttradition – Berliner Eisbein serviert. An allen Tischen debattieren die Gäste rege. Es ist nicht schwer zu erraten, worüber. Udo Badelt

0 Kommentare

Neuester Kommentar