''Tropic Thunder'' : Vom Vergnügen, eine Brücke zu sprengen

Parodie und Patronen: Ben Stiller stellte im Adlon seinen neuen Film "Tropic Thunder" vor.

Andreas Conrad

Also, wie ist er denn nun, der Geruch von Napalm am Morgen? Riecht es nach Sieg? Eine keineswegs aus der Luft gegriffene Einstiegsfrage in ein Gespräch mit Ben Stiller über seinen neuen Film „Tropic Thunder“. Das Napalm-Bonmot, das ist der vielleicht berühmteste Satz aus Francis Ford Coppolas Dschungelkriegsfilm „Apocalypse Now“, und wenn er auch so nicht in Stillers Drehbuch steht, so hat dieser doch aus der Bilderwelt seines Regiekollegen hemmungslos zitiert. Wie auch aus anderen Vietnamspektakeln, von „Platoon“ bis „The Deer Hunter“, und das Weltkriegsepos „Die Brücke am Kwai“ ist ebenfalls dabei.

Eine Frage also, die gestern Nachmittag in der Luft lag. Am Donnerstag kommt „Tropic Thunder“ in die deutschen Kinos, und um das Publikum darauf einzustimmen, war Stiller, 42 – Regisseur, Autor, Produzent, Hauptdarsteller in einem –, nach Berlin gekommen und gab im Adlon Interviews, beantwortete Fragen zu Napalm, dem Filmgeschäft und mehr.

Nein, Stiller lacht, den originalen Geruch habe er nie kennengelernt, nur den, wenn auf dem Set eine Brücke in die Luft gejagt wird, etwas, woran er viel Spaß hatte, er gibt es gerne zu. Wann hat er als Komiker, der er zunächst doch ist, denn schon die Gelegenheit zu solch einer Materialschlacht, mit kriegsfilmerfahrenen Veteranen, von Kameramann John Toll („Der schmale Grat“) bis zu Stuntkoordinator Brad Martin („Stirb langsam 4.0“)?

Die Struktur des Films hört sich komplizierter an, als sie dann auf der Leinwand erscheint. Es geht um Dreharbeiten im Goldenen Dreieck zwischen Thailand, Laos und Burma, Szenerie für den ultimativen Vietnamfilm, von dem sich eine Handvoll berühmter, mehr oder weniger mackenbehafteter Schauspieler eine Menge verspricht – leider eine Chaosproduktion, der bald der Geldhahn zugedreht wird. Letzte Lösung: Die Kinosoldaten werden im Dschungel ausgesetzt, sollen sich, von versteckten Kameras gefilmt, selbst den Weg ins Freie erkämpfen. Eine gar nicht so üble Idee, wären da nicht die finsteren Gestalten vom ortsansässigen Drogenkartell, die hinter den Kriegsspielen echte Antidrogenagenten vermuten.

So ist „Tropic Thunder“ zunächst einmal ein Zwitter aus Actionfilm und Parodie, aber keine des Krieges, nichts in der Tradition von „M. A. S. H.“ oder „Catch 22“, wie Stiller betont. Der ironische Blick zielt vielmehr aufs Genre und das Filmgeschäft an sich, spießt darin Lächerliches auf, Schauspieler etwa, die sich zu ernst nehmen in ihrer Rolle. Der Keim zu „Tropic Thunder“, erzählt Stiller, sei bereits 1987 gelegt worden, als er eine kleine Rolle in Spielbergs „Das Reich der Sonne“ spielte und Kriegsfilme wie „Platoon“ und „Hamburger Hill“ in Mode waren. Reihenweise ließen sich Schauspieler in falsche Trainingslager schleifen und schwadronierten hinterher von den intensiven Erfahrungen, als seien sie tatsächlich im Krieg gewesen. Dieses Gerede fand Stiller albern, so entstand der Plan zu einer Komödie über Schauspieler, erst nur eine Idee für einen Kurzfilm, und dann dauerte es neun, zehn Jahre, bis daraus ein Drehbuch wurde.

Stiller selbst spielt den allmählich aus der Mode kommenden Actionhelden Tugg Speedman, dessen Versuch, durch die Rolle eines geistig Behinderten noch einen Oscar zu ergattern, schmählich scheiterte und der nun alle Hoffnung auf „Tropic Thunder“ setzt. Gedreht wurde auf der zum Hawaii-Archipel gehörenden Insel Kauai, und natürlich fliegt dort zum Schluss als Höhepunkt eine Brücke in die Luft, wie man es aus „Wem die Stunde schlägt“ kennt oder eben aus „Die Brücke am Kwai“. Für einen wie Stiller eine Szene voller „fun“. Andreas Conrad

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