U2-Konzert : Die Krake ragt aus dem Olympiastadion

Ein wahres Monstrum: 50 Meter ist die Bühne der Rockband U2 hoch und fast 400 Tonnen schwer Seit einer Woche wird in der Arena gebaut – am Samstag können endlich die fast 100.000 Fans feiern.

 André Görke,Katja Reimann
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Die Spinne.

Die Aussicht? „Na prima!“, sagt Manfred Uhlitz, 53. Da hinten im Stadion steht diese gewaltige U2-Bühne mit ihren Beinen, die sieht aus wie ein grüne Spinne. Und zu seinen Füßen erst – all diese Trucks auf dem Maifeld, „mehr als 100 bestimmt“, sagt Uhlitz, der Pächter des Glockenturms. „Ein wunderbarer Blick!“ Für Samstagabend, 21 Uhr, hat Uhlitz schon mal eine Flasche Wein kalt gestellt, vielleicht wird er ja mit seiner Frau die Nacht dort oben in 77 Metern Höhe verbringen und das Konzert von U2 vom Glockenturm aus genießen. Den Zentralschlüssel hat er ja.

Bis 18 Uhr können auch alle anderen auf den Turm und mit etwas Glück der irischen Rockband um Sänger Bono beim Soundcheck zusehen und zuhören, der soll heute Mittag anstehen. „Abends müssen aber alle runter“, sagt Uhlitz, dann beginnt die Show – vor fast 100 000 Zuschauern, so vielen wie noch nie bei einem Konzert im Olympiastadion.

In die WM-Arena kommt schon seit Tagen niemand mehr rein, dafür sorgt der engagierte Sicherheitsdienst von U2. Sogar die Webcams des Stadions sind ausgeschaltet, soll ja keiner Details erfahren.

Wie es nun drinnen aussieht? Na so: Die Bühne – 73 Meter mal 73 Meter – wächst seit Sonntag in den Himmel. Sie ist mit 50 Metern so hoch, dass sie sogar zehn Meter aus dem Stadion ragen wird. 180 Tonnen wiegt die Konstruktion, das erklärt deren Architekt Mark Fisher. Allein 200 Tonnen Equipment, sagt Fisher, hängen bei einem Konzert in den Krakenarmen. Vier bis fünf Kräne wuchteten am Freitagmittag die Technik im Innenraum des Stadions in die Höhe, erzählt Burkhard Zahlmann vom Konzertbüro Zahlmann, das den Auftritt organisiert. Um 22 Uhr sollte alles fertig sein, 250 Menschen arbeiteten im Stadion.

Die mehr als 100 Trucks, die bei Uhlitz unterm Glockenturm parken, haben das Material über die Tunnel ins Innere gekarrt. Der Rasen ist abgedeckt, die blaue Laufbahn sowieso – sonst würden die Trucks den Kunststoff beim Lenken abreiben – , am Freitag wurden letzte Dixie-Klos geliefert, Kioske bestückt, die Technikcrew rückte an. Und dann musste ja der Steg gebaut werden, der vom Marathontor – dort befinden sich die Umkleidekabinen im Bauch des Stadions – auf die Bühne führen wird. 25 000 Zuschauer passen in den Innenraum, 74 000 auf die Tribünen, man kann die Musiker von allen Seiten sehen, deshalb heißt die Tour „360°“. Und wenn die Brancheninfos stimmen, dann sind bereits 90 000 Karten verkauft. Die Crew selbst ist mit 14 Bussen unterwegs.

Eine logistische Kniffelarbeit. Damit die Bühne – eine Woche dauert ihr Aufbau – überall rechtzeitig steht, gibt es gleich drei der riesigen Konstruktionen und einen ausgeklügelten Zeitplan. Die Bühne aus Berlin reist nach ihrem Abbau für ein Konzert am 31. Juli nach Göteborg. Am 3. August spielt U2 in Gelsenkirchen – dafür kommt dorthin eine Bühne aus Amsterdam. Die dritte wird derzeit in Nizza zusammengebaut, heißt es bei der Firma Stage Co in Belgien, die das Gerüst entworfen hat.

Eine Stunde vor Mitternacht wird dann alles vorbei sein, spätestens, dann wird Uhlitz vom Glockenturm steigen und ab Dienstag, 13 Uhr, dürfen dann wieder alle Touristen in die – leere – Arena. Aber nur bis 31. Juli. Dann beginnen die Aufbauarbeiten für die Leichtathletik-WM.

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