Umgestaltung am Ku’damm-Karree : Chefgespräch zu den Ku’damm-Bühnen

Erst verhandelte der Investor mit dem Regierenden Bürgermeister Wowereit. Jetzt ist der Bezirk dran: Kompromiss in Sicht?

Cay Dobberke

Das Ringen um die traditionsreichen Ku’damm-Bühnen geht in die wohl entscheidende Runde: Am Dienstag wird der Eigentümer des Ku’damm-Karrees, in dem das Theater und die Komödie am Kurfürstendamm liegen, im Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf empfangen – nachdem monatelang Funkstille geherrscht hatte.

Laut Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) kommt Sean Mulryan, Gründer der irischen Ballymore-Group, persönlich zum Gespräch. Der Bezirk verlangt die Rettung beider Boulevardtheater. Dagegen will Ballymore die aus den 20er Jahren stammenden Säle, die zusammen rund 1400 Plätze haben, durch einen knapp halb so großen Neubau mit „historischem Dekor“ ersetzen. Das soll Platz für eine Umgestaltung des ganzen Gebäudekomplexes schaffen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), dem das Kulturressort untersteht, hat sich nach Tagesspiegel-Informationen bereits mit dem Ballymore-Chef getroffen. In einem Interview warnte Wowereit vor einem Scheitern des Projekts, Ballymore wolle eine halbe Milliarde Euro ins Ku’damm-Karree investieren. Die Rettung beider Säle sei damit unvereinbar, der Bezirk dürfe Entscheidungen nicht auf die lange Bank schieben.

Baustadtrat Gröhler ärgert sich über diese Äußerungen, die „unsere Verhandlungsposition verschlechtern“. Mit ihm oder SPD-Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen habe Wowereit nicht gesprochen. „Er ist uns schon einmal in den Rücken gefallen“, sagt Gröhler: Bereits vor Jahren habe Wowereit höchstens die Rettung einer Bühne für möglich erklärt.

Theaterintendant Martin Woelffer will sich erst Mitte kommender Woche äußern. Er sieht sich zwischen den Stühlen: Lange hatten er und sein Vater Jürgen für die Bühnen gekämpft. Doch nachdem die von einstigen Eigentümern des Ku’damm-Karrees gekündigten Mietverträge bereits ausgelaufen waren, sahen sie den einzigen Ausweg in einem Vertrag mit Ballymore, der den Spielbetrieb im Neubau auf 20 Jahre sichert. Eine Ersatzspielstätte für die Zeit der Bauarbeiten fehlt noch. Woelffer blieb der jüngsten Kundgebung fern: Ende März hatte Otfried Laur, Chef des Berliner Theaterclubs und des Vereins „Rettet die Ku’damm-Bühnen“, Künstler und Prominente zur Freiluft-Demo mit Musik und Show vor den Theatern versammelt.

Über denkbare Kompromisse – etwa die Erhaltung eines Theaters im Originalzustand – will Stadtrat Gröhler vor dem Gespräch mit Ballymore nicht reden. Er kann den Abriss nicht verbieten, hat jedoch ein Druckmittel: Für die Neubauten braucht der Investor sogenannte Befreiungen vom Planungsrecht.

Ein Ballymore-Sprecher betonte, man wolle sich nicht zurückziehen und habe „großes Interesse“ am Ku’damm-Karree. Vor kurzem hatte die Firma dennoch ein Ultimatum gestellt: Gebe es bis Oktober keine „erkennbaren Fortschritte“, seien der Theaterbetrieb und das Bauprojekt mit neuen Geschäften und Wohnungen bedroht. „Das bedeutet nicht, dass wir im Oktober bereits die Baugenehmigung erwarten“, heißt es nun. Der Bauantrag sei schließlich noch gar nicht gestellt.Cay Dobberke

Das Projekt im Internet:

www.das-neue-kudammkarree.de

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