Umweltpreis : Grüner Luxus

Der Direktor des Steigenberger-Hotels, Torsten Schulze, wurde am Dienstagabend mit dem Berliner Umweltpreis des BUND ausgezeichnet. Die Kombination von Noblesse und Ökologie begann mit einem Biofrühstück.

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"Sparen macht Laune", sagt Manfred Hartwig auf dem Weg durch den Hotelflur und greift in seine Jacketttasche. Der Technikchef des Steigenberger-Hotels fördert eine Plastikschachtel mit Einsätzen für Duschbrausen und Wasserhähne zutage. Die Filter halbieren die Wassermenge, die aus den Hähnen rauscht. "Die machen sich schon nach ein paar Tagen bezahlt, hat der Chef ausgerechnet." Der Chef ist Hoteldirektor Torsten K. Schulze. Er erhält den diesjährigen Berliner Umweltpreis des Naturschutzverbandes BUND.

Als am Dienstagabend im Roten Rathaus die Verleihung anstand, war Schulze gerade aus Holland zurück. Dort hatte er anderen Steigenberger-Direktoren erklärt, wie man ein Luxushotel auf öko trimmt. Ein weiterer Umweltpreis ging an die "Schnippel-Girls", die einen Naturlehrpfad durch ihre Kleingartenanlage "Freiheit" am Dammweg in Neukölln angelegt haben. Den Jugendpreis erhielt die Schule am Falkplatz, in der die Kinder nicht nur die Theorie von Umweltschutz und gesundem Leben lernen, sondern auch einen üppigen Schulgarten hegen, von drei Schafen das Gras pflegen lassen und Kästen für Mauersegler zimmern.

Hoteldirektor Schulze ist ein besonderer Preisträger, denn Edelherbergen gelten naturgemäß nicht als Orte, an denen dem Verzicht gehuldigt wird. Im Fünfsternehotel will der Gast weder im dunklen Flur nach dem Lichtschalter tasten noch unter einer nieselnden Dusche stehen.

Am Anfang war das Biofrühstück, erzählt Schulze. Das stand für Genuss statt für Verzicht – und sei gut angekommen. So kam er ins Grübeln und philosophierte mit seiner Frau, einer Architektin, über veränderte Lebensgewohnheiten und immer gleiche Hotelzimmer. Als der 1980 errichtete Plattenbau am Los-Angeles- Platz renoviert werden musste, beschloss er: Wenn, dann richtig.

Deshalb läuft Schulzes Technikchef jetzt unter LED-Lampen entlang, die sich erst auf den dritten Blick von den alten Halogenstrahlern unterscheiden. Am Stromzähler ist der Unterschied umso deutlicher: drei statt 35 Watt pro Lampe. Die zwölf Elektroherde in der Küche wurden durch Induktionsherde ersetzt und die neueste Lüftungstechnik eingebaut. Macht zusammen 40 Prozent weniger Stromverbrauch. Ökostrom, versteht sich. Das Hotel spart inzwischen pro Monat so viel Strom wie 500 Durchschnittshaushalte verbrauchen.

Die Eigentümer- und die Betreibergesellschaft der rund 80 Steigenberger-Hotels beobachteten Schulzes Aktivitäten erst argwöhnisch, aber die gesparten Energiekosten beruhigten sie. Zugleich weckten sie Schulzes Ehrgeiz. Was vorher Müll war, sind jetzt Wertstoffe; 16 Sorten insgesamt. Für Müll bezahlt man, für Wertstoffe bekommt man Geld. Wobei auch eine intakte, aber optisch veraltete Zimmereinrichtung ein Wertstoff sein kann, der sich in ein Mittelklassehotel verpflanzen lässt, statt vor der Zeit im Bauschuttcontainer zu enden.

Der größte Energiefresser ist wie üblich die Heizung. Schulze hat mit Vattenfall einen Vertrag über Fernwärme aus zertifizierter Biomasse geschlossen. Demnächst kommt eine Solaranlage fürs warme Wasser aufs Dach. Dann ist die Fassade dran. "Bei deren Sanierung sind keine Grenzen gesetzt", sagt Schulze. Im Haus geht das Gerücht, dass demnächst Pflanzen das Steigenberger umranken werden. Dann wäre es auch von außen das grünste Hotel Berlins.

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