Umzug der Gemäldegalerie : Streit um den passenden Rahmen

Die Gemäldegalerie zieht auf die Museumsinsel – so war der Plan. Doch jetzt ist wieder alles offen.

Christina Tilmann
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Tanz ums Museum. Wo soll die Gemäldegalerie hinziehen? Bislang war geplant, sie in der Nähe des Bode-Museums (Foto)...

Die Alte Kunst auf die Museumsinsel, das 20. Jahrhundert am Kulturforum: Das war die Lieblingsidee von PeterKlaus Schuster, dem langjährigen Generaldirektor der Staatlichen Museen. Sein „Masterplan II“ sah eine Neuordnung der Berliner Museumslandschaft vor, die die Folgen der deutschen Teilung endgültig beseitigen sollte. Denn der jetzige Standort der Gemäldegalerie am Kulturforum geht auf Planungen der Vorwendezeit zurück – als das Gebäude der Architekten Hilmer, Sattler, Albrecht 1998 eröffnet wurde, war die Umordnung und Wiederzusammenführung der Ost- und der West-Museen schon in vollem Gange. Schusters Vorschlag, nach Vollendung der Sanierung der Museumsinsel auch die Gemäldegalerie wieder an ihren angestammten Ort in die Stadtmitte zu verlagern, wurde 1999 als Durchbruch gefeiert. Inzwischen hat der anstehende Wiederaufbau des Schlosses und die Errichtung des Humboldt-Forums auf dem Schloßplatz auch diese Planung überholt.

Auf der Museumsinsel war die europäische Kunst vom 13. bis 18. Jahrhundert zunächst im Kaiser-Friedrich-Museum, heute Bode-Museum, untergebracht, nach der deutschen Teilung kam die eine Hälfte nach Dahlem, der andere Teil verblieb auf der Insel. Erst 1998 wurden beide Teile am Kulturforum zusammengeführt. Im Bode-Museum ist seit der Wiedereröffnung 2006 die Skulpturensammlung untergebracht. Das Ursprungskonzept sah hier eine kombinierte Präsentation von Gemälden und Skulpturen vor. In die jetzige Gemäldegalerie soll nach Schusters Plan die Sammlung des 20. Jahrhunders einziehen, die jetzt in der Neuen Nationalgalerie zu sehen ist – wenn das Haus nicht, wie derzeit für die Sammlung Pietzsch, freigeräumt ist.

Als neuer Standort für die Gemäldegalerie war das Kasernengelände gegenüber der Museumsinsel vorgesehen. Dort entstehen derzeit die „Museumshöfe“, ein Kompetenzzentrum der Staatlichen Museen, das Restaurierungswerkstätten, Depots, Verwaltungen sowie Studienbibliotheken und -sammlungen der Museen bündeln soll. Das Stuttgarter Büro Harris + Kurrle hatte 2007 den entsprechenden Realisierungwettbewerb gewonnen.

Das im vorangegangenen Ideenwettbewerb noch vorgesehene Galeriegebäude blieb zunächst ausgespart – die Finanzierung ist unklar. Insofern hat Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, recht, wenn er den Galerie-Umzug angesichts der umfangreichen Bauprojekte auf der Museumsinsel und dem Schloßplatz als „auf absehbare Zeit“ nicht realistisch bezeichnet (siehe Tagesspiegel vom 18. August).

Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger, gab seinem Museumschef Rückendeckung und meinte, es sei gegenwärtig „vordringlich, die Gemäldegalerie an ihrem derzeitigen Standort zu stärken“. Die Verknüpfung von Gemäldegalerie und Bode-Museum bleibe allerdings „das Idealbild“, meinte Parzinger. „Dafür gibt es aber noch keinen gesicherten finanziellen wie zeitlichen Rahmen.“ Der Senat hingegen hält an dem Umzug der Gemäldegalerie unverändert fest. „Der Umzug war im Konsens innerhalb des Stiftungsrates beschlossen worden. Deshalb muss eine Änderung des Plans auch dort beschlossen werden. Da hat sich Herr Eissenhauer wohl zu weit aus dem Fenster gelehnt“, sagte Kulturstaatssekretär André Schmitz dem Tagesspiegel. Eissenhauers Vorstoß sei „offensichtlich nicht abgestimmt“.

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