Stadtleben : …und Action!

Die Zauberflöte ertönt unter der Erde, Kati Witt sagt Adieu, im Tiergarten wird’s wieder richtig laut: die Berliner Veranstaltungshöhepunkte des neuen Jahres

Sebastian Leber Katja Reimann

MOZART IM U-BAHNHOF



Der Rohbau des U-Bahnhofs „Bundestag“ ist fertig, nächstes Jahr soll er voraussichtlich geöffnet werden. Bis dahin wird die unterirdische Anlage für besondere Veranstaltungen genutzt – die spektakulärste hat am 25. April Premiere: Dirigent Christoph Hagel will dort Mozarts Zauberflöte inszenieren. Pamina ist dann Punkerin, Papageno ein Zugabfertiger. Und kein Witz: Im Chor singen BVG-Angestellte mit. Pro Vorstellung finden 600 Zuschauer im Geisterbahnhof Platz, der Vorverkauf hat begonnen.

RETROSPEKTIVE PAUL KLEE

Wer nach dem Ende der Franzosen-Ausstellung das Schlangestehen vorm Museum vermisst, muss sich wohl noch bis Oktober gedulden: Dann startet die große Paul-Klee-Werkschau in der Neuen Nationalgalerie. Etwa 250 Gemälde werden gezeigt, die Ausstellung trägt den Titel „Das Universum Klee“ und endet im Januar 2009. Sie wird Teil der Reihe „Kult des Künstlers“ – zu dieser gehören auch Werkschauen von Joseph Beuys im Hamburger Bahnhof sowie von Jeff Koons (ebenfalls in der Neuen Nationalgalerie).
BERLINALE

Dass Popstar Madonna keine gute Schauspielerin ist, hat sich herumgesprochen. Nicht umsonst bekam sie im Laufe ihrer Karriere gleich drei Mal die „Goldene Zitrone“ als schlechteste Darstellerin des Jahres, den Preis für die „schlechteste Schauspielerin des 20. Jahrhunderts“ gewann sie auch ganz souverän. Eine Auszeichnung für miserable Regiearbeit fehlt ihr noch, doch jetzt hat Madonna „Filth and Wisdom“ gedreht, ihr Regiedebüt will sie im Februar auf der Berlinale vorstellen. Spekuliert wird auch über Besuche von John Malkovich und Ben Kingsley. Ob wohl extra für Madonna die Kategorie Blech-Bär eingeführt wird?

HERR DER RINGE

Berlin ist eine Hochburg der Tolkien- Fans, und die Nachfrage wird bedient: Nach der Ausstellung im Filmpark Babelsberg kommt nun Anfang Februar das 100-köpfige „Herr der Ringe“-Ensemble in den Friedrichsstadtpalast. Das spielt Songs aus den Filmen, vertont Tolkiengedichte und kann auch die Nationalhymne Mordors auswendig. Dazu kommt die Erzählstimme Christopher Lees vom Band. Der durfte in der Trilogie den bösen Zauberer Saruman mimen.

THE CURE

Ganze drei Stunden will die englische Band The Cure bei ihrem Konzert am 16. Februar in der Arena spielen. Da bleibt genug Zeit für Klassiker wie „Boys Don’t Cry“ und viel unveröffentlichtes Material vom nächsten Album. Frontmann Robert Smith schminkt sich immer noch schön schrecklich, seine Musik klingt immer noch schön poppig.

SISSI-MUSICAL

Wer Bully Herbigs „Lissi und der wilde Kaiser“ als Majestätsbeleidigung empfand, für den ist das neue Musical im Theater des Westens genau richtig: „Elisabeth“ erzählt die Geschichte der österreichischen Kaiserin völlig ironiefrei, aber dafür mit Pomp, Pathos und opulenten Kleidern. Der Veranstalter verspricht ein „wahres Wechselbad der Gefühle“. Kleiner Auszug aus dem Ankündigungstext: „Als der junge Kaiser Franz Joseph sich in die bildhübsche Sechzehnjährige verliebt, scheint für Elisabeth ein Traum in Erfüllung zu gehen.“ Ab dem 20. April. Ohne Taschentücher kein Einlass.

MIREILLE MATHIEU

Der Spatz von Avignon kehrt zurück: Zwanzig Jahre nach ihrer letzten Deutschland-Tournee reist Mireille Mathieu wieder durchs Land – am 31. März macht sie im ICC Halt. 61 Jahre ist sie inzwischen alt, den Pagenkopf mit Pony hat sie immer noch und ihre Bühnenpräsenz soll auch nicht gelitten haben. Die Chansonette hat bereits das Ziel des Abends formuliert: „Ich möchte dem Publikum die Liebe zurückgeben, die es mir immer entgegengebracht hat“. Dafür wird sie auch Lieder ihres aktuellen, deutschsprachigen Albums „In meinem Herzen“ singen. Wer das miterleben will, sollte sich mit dem Kartenkauf beeilen: Es gibt nicht mehr viele Tickets im Vorverkauf.

CIRQUE DU SOLEIL

Über 450 Kostüme, Schuhe, Perücken und Hüte braucht der Cirque du Soleil für seine Show „Varekai“. Ach ja, und außerdem 60 Fahrräder. Vom 5. bis 13. Juli gastieren die Künstler und Akrobaten im ehemaligen Berliner Ostgüterbahnhof in der Mühlenstraße 11. Das Wort „Varekai“ kommt aus der Sprache der Roma und bedeutet „wo auch immer“ . Die Show handelt von einem einsamen jungen Mann, der plötzlich vom Himmel und in einen magischen Zauberwald fällt. Dort, am Fuße eines Vulkans, leben wundersame Fabelwesen, die den jungen Mann auf seiner Entdeckungsreise durch die fantastische Welt begleiten. Reisen, Wandern und Fantasie stehen bei „Varekai“ im Mittelpunkt, ganz wie im wirklichen Zirkusleben. Seit ihrer Premiere 2002 in Montreal wurde die Show weltweit über 1700 Mal aufgeführt.

DIE ÄRZTE

Ursprünglich wollten sie dieses Jahr bloß ein Konzert in der Wuhlheide geben. Doch das war sofort ausverkauft, deshalb haben Die Ärzte einen Zusatztermin eingeplant – und dann noch einen und noch einen. Die Nachfrage ist so groß, dass die Berliner Punkband sich jetzt entschieden hat, am 12. Juli ein fünftes Konzert nachzuschieben. Der Vorverkauf dafür soll noch diesen Monat starten (Infos unter www.berlin-ticket.de). Langsam werden die freien Tage in der Wuhlheide knapp – vielleicht hätten Farin Urlaub, Bela B. und Rod gleich die ganze Straße des 17. Juni anmieten sollen.

KATI WITTS ABSCHIED

Berlins Kufen-Königin sagt Tschüss: Mit einer deutschlandweiten Tournee nimmt Katarina Witt Abschied vom Eissport. Am 16. und 17. Februar gastiert sie mit einer großen Show in der Max-Schmeling-Halle, begleitet wird sie unter anderem von Eislauf-Kollegen aus aller Welt. Informationen findet man auf ihrer Internetseite www.katarina.de, aber Achtung: Es gibt nur noch ganz wenige Karten.

Und während die eine endgültig aufhört, kann Boris Becker es nicht lassen. Der dreifache Wimbledon-Sieger spielt am 2. März – ebenfalls in der Max-Schmeling-Halle – mit und gegen weitere Ex-Profis wie Henri Leconte, Carl-Uwe Steeb und Patrik Kühnen. „Boris Becker & Friends“ heißt das Spektakel. Um hohe Preisgelder geht es dabei natürlich nicht mehr, eher um gewiefte Trickschläge und Showeinlagen.

B-PARADE

Im ersten Jahr fiel die Party wegen Terminproblemen aus, im zweiten Jahr wegen der großen Baustelle auf der Straße des 17. Juni. Nun soll es endlich klappen mit der B-Parade, dem Technoumzug durch den Tiergarten, der die Loveparade vergessen machen soll. Zwölf Trucks haben sich bereits angemeldet, als Headliner hat die Grande Dame des Berliner Technos zugesagt: DJ Marusha. Die grünen Augenbrauen hat sie längst rückgefärbt, ihr Faible für experimentelle elektronische Klänge ist geblieben. Außerdem wollen die Veranstalter „an den Umweltschutz denken“ und Drogenkonsum unterbinden: „Die Musik ist Droge genug“. Da kann fast nichts mehr schiefgehen. Weil die Paradenmacher mit einem Erfolg rechnen, haben sie vorsorglich schon mal Folgeveranstaltungen bis 2020 angekündigt.

BERLINER BÜHNEN

Alle Premieren der Spielzeit noch einmal sehen, gebündelt in einer Woche. Wo es so was gibt? In der Komischen Oper Berlin. Dort findet vom 23. bis zum 27. Juli das Komische-Oper-Festival statt. Mit Händels „Theseus“, Puccinis „La Bohème“ und Cole Porters Musical „Kiss Me Kate“. An der Staatsoper Unter den Linden wird jetzt schon fleißig für die Premiere von Verdis „Maskenball“ am 20. Januar geprobt. Während der traditionellen Festtage der Oper im März feiert außerdem Sergej Prokofjews „Der Spieler“ Premiere. In der Koproduktion mit der Mailänder Scala dirigiert Daniel Barenboim selbst. Und beim Deutschen Theater wird es politisch: In den Kammerspielen gibt es ab März das Stück „Pornographie“. Das hat zwar nichts mit nackter Haut, dafür aber mit Terrorismus zu tun: es handelt vom Bombenattentat in London im Sommer 2005.

BABYLON-AUSSTELLUNG

Noch eine Kunst-Ereignis, über das schon lange vorher gesprochen wird: Im Pergamonmuseum öffnet Ende Juni die Ausstellung über die antike Stadt Babylon. Kooperationspartner sind das Musée du Louvre in Paris und das Britisch Museum in London. Es soll die enge Verbindung zwischen der europäischen Geistesgeschichte und der des Vorderen Orients gezeigt werden, selbstverständlich gehören dazu auch Ausgrabungsobjekte aus Babylon selbst.

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