Stadtleben : Und jetzt alle mitsingen!

Den meisten der vielen Prominenten auf der Aidsgala gefiel Max Raabes Moderationsstil – trotz mancher Versprecher Allzu weit war er vom Weg seines großen Vorgängers Loriot ohnehin nicht abgewichen

Elisabeth Binder

Kultveranstaltungen bekommen notwendige Veränderungen am besten, wenn sie möglichst wenig dramatisch erfolgen. Insofern hat Max Raabe bei der 14. Aidsgala alles richtig gemacht. Die Mutter aller hauptstädtischen Charity-Galas hat sich über die Jahre ein treues Stammpublikum herangezogen, das seinem als Gast gekommenen Helden Vicco von Bülow auch diesmal gleich zu Beginn eine stehende Ovation schenkte für die schönen Erinnerungen an seine notwendigen Bemerkungen zu dramatischen Musikbeispielen. Diesmal fiel es erstmals Max Raabe zu, als alleiniger Moderator des Opern-Hit-Programms in die großen Fußstapfen zu treten. Er tat es nicht, wie einzelne Gäste angenommen hatten, indem er was völlig Anderes machte.

Im Gegenteil, er zitierte Loriot häufiger, blieb der Moderationsform stilistisch treu, setzte aber auch eigene Akzente, die im Anschluss beim großen Gala-Dinner heftig diskutiert wurden. Wolfgang Schäuble fand es sympathisch, dass Raabe „sich so zurückgenommen hat“. Dem Tenor, dass der Sänger ein würdiger Loriot-Nachfolger sei, setzte der Regierende Bürgermeister eins drauf: „Er ist genau der Richtige.“ Sein Partner Jörn Kubicki bescheinigte Raabe, „mehr Sex-Appeal“ zu haben als Vorgänger Loriot, während Guido Westerwelle ihn vor allem „geistreich“ fand. Regina Ziegler fand es gut, dass Raabe Loriot zitiert hat. Auch die Begum Inaara Aga Khan, Walter Momper und Frau Anne, die zu den frühen Ideenlieferantinnen der ersten Aidsgala zählte, waren angetan von der Moderation. „Er muss noch ruhiger werden“ befand Peter Schwenkow, der Raabe bereits 1992 bei der Eröffnung des Wintergartens engagiert hatte. Tatsächlich fragten sich Gäste wie Elvira Bach oder Lore Maria Peschel-Gutzeit, woher die Versprecher kamen, die sich immer wieder einschlichen. Fehlte die Brille? Vermutlich fehlte einfach das Problembewusstsein für die neue Form. „Er muss an seinem sprachlichen Ausdruck noch arbeiten“, urteilte Hubertus Erlen.

Viele Gäste, darunter Hape Kerkeling und Katharina Wagner, hatten sich, wie Botschafter Vladimir Kotenev, diesen Abend bewusst freigehalten. Während die Gala auch bundesweit immer bekannter wird, ist das Thema dahinter längst nicht mehr so präsent wie 1994, obwohl die Neuinfektionsraten sogar steigen. Darauf gingen Klaus Wowereit und Dieter Zetsche ausführlich ein. Der Daimler-Vorstandschef berichtete von Aufklärungserfolgen seines Unternehmens in Südafrika und bezeichnete die Aufmerksamkeit für das Thema Aids „als wichtigstes Gegenmittel gegen die Ausbreitung“. Der Regierende Bürgermeister dankte all jenen, die sich übers Jahr um Aidskranke kümmern, da „menschliche Zuwendung unersetzlich und unbezahlbar ist“. Von Daimler gab es einen Scheck über 100 000 Euro für die Aids-Stiftung. Sehr gefeiert wurden Solisten wie Marina Rebeka, Krassimira Stoyanova und Pavol Breslik, die Arien von Verdi, Donizetti und Puccini sangen. Dirigent Lawrence Foster hatte den hübschen Einfall, das Schlusslied „Dein ist mein ganzes Herz“ in der Zugabe zu wiederholen und das Publikum zum Mitsingen aufzufordern. Das trauten sich längst noch nicht alle, aber beim nächsten Mal wird der Publikums-Chor bestimmt schon fülliger sein.

Die lange Nacht der Power-Plaudereien und ausgelassenen Tänze begann mit Papaya-Garnelen, Milchkalbshaxen und Caipirinha-Schaum im Ananasblatt.

Am 1. Dezember um 23.10 Uhr wird die Gala im RBB übertragen.

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