Unesco-Beschluss : Berliner Wohnsiedlungen der Moderne werden Weltkulturerbe

Teile Berlins werden geadelt: Die Unesco hat die Wohnsiedlungen der Berliner Moderne neu als Weltkulturerbe anerkannt. Deutschland hat damit künftig 33 statt wie bisher 32 Stätten auf der prestigeträchtigen Liste, drei davon in Berlin.

Hufeisensiedlung
Blick aus der Vogelperspektive auf die Hufeisensiedlung im Berliner Bezirk Neukölln. Das Welterbekomitee der Unesco hat die...Foto: dpa

New York/Québec/BerlinDie UN-Kulturorganisation sprach den Siedlungen aus dem frühen 20. Jahrhundert am Montag bei ihrer Tagung im kanadischen Québec das begehrte Gütesiegel zu. Die sechs Ensembles repräsentierten einen neuen Typ des sozialen Wohnungsbaus, hieß es zur Begründung. Sie hätten beträchtlichen Einfluss auf die weitere Entwicklung von Architektur und Städtebau ausgeübt.

Bei den Siedlungen, darunter etwa die bekannte Hufeisensiedlung, handelt es sich um Bauten von Architekten wie Bruno Taut, Hans Scharoun und Walter Gropius. Die Ensembles entstanden zwischen 1913 und 1934 und hoben sich mit ihrem auf Licht und Sonne achtenden Konzept stark von den zeitgenössischen Mietskasernen ab. Sie ermöglichten einen gesünderen Lebensstandard auch für die ärmeren Bevölkerungsschichten. Mit ihren klaren Formen wurden sie bestimmend für die Bauweise des gesamten Jahrhunderts.

Die deutsche Delegierte in Québec, Birgitta Ringbeck, sagte, die Entscheidung sei problemlos und einvernehmlich gefallen. Die Siedlungen füllten eine Lücke auf der Welterbe-Liste.

Berliner Senat zeigte sich hocherfreut

Neben der Hufeisensiedlung Britz geht es um die Wohnstadt Carl Legien, die Siedlung Schillerpark, die Gartenstadt Falkenberg, die Großsiedlung Siemensstadt und die sogenannte Weiße Stadt. Zwei der Ensembles liegen im ehemaligen Ostteil der Stadt. Die Bewerbung Berlins war maßgeblich von Immobilienunternehmen gefördert worden.

Der Berliner Senat reagierte "hocherfreut" auf die Unesco- Entscheidung. Sie zeige, dass Berlin viel mehr zu bieten habe als die bekannten Sehenswürdigkeiten, sagte Senatssprecher Richard Meng. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) sagte, nie zuvor seien normale Wohnsiedlungen als Welterbe vorgeschlagen worden. "Wenn statt barocker Schlösser oder gotischer Dome das eigene Umfeld derartig geadelt werden soll, verleiht das natürlich der fernen Entscheidung fremder Denkmalexperten eine sehr persönliche Bedeutung."

Das dritte Berliner Welterbe

Die Bundeshauptstadt hat neben den Wohnsiedlungen bisher schon zwei Stätten auf der Welterbe-Liste. 1990 wurden die preußischen Schlösser und Gärten von Berlin und Potsdam mit dem Gütesiegel versehen, 1999 kam die Museumsinsel hinzu. Weltweit gibt es rund 850 Kultur- und Naturschönheiten, die unter dem Schutz der Unesco stehen. Aus Deutschland wurde zuletzt 2006 die Altstadt von Regensburg (Bayern) aufgenommen, die als besterhaltene mittelalterliche Großstadt der Bundesrepublik gilt.

Neben Berlin bewarben sich bei der bis zum Donnerstag dauernden Tagung insgesamt 40 Kandidaten neu um Aufnahme in die Welterbe-Liste. Schon am Sonntag waren die antike Felsenstadt Hegra in Saudi-Arabien, der Zufluchtsberg Le Morne auf Mauritius, zahlreiche Erdgebäude (Fujian Tulou) in China und drei armenisch-christliche Klöster im Iran unter den Unesco-Schutz gestellt worden. Die UN-Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kulturleistungen der Menschheit und Naturphänomene von "außergewöhnlich universellem Wert" zu erhalten. (sba/dpa)

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