Ungewöhnliche Fortbewegungsmittel : Mit neuem Schwung durch Berlin

Auf Ökorollern, im Huskyschlitten oder mit dem Grillrad: Wie man sich ungewöhnlich durch die sommerliche Stadt bewegen kann.

Sebastian Leber
Ökoroller
Bewegende Idee. Die neuen Ökoroller fahren maximal 20 Stundenkilometer schnell. -Foto: David von Becker

Es gibt etliche Gründe, warum der Elektroroller von Michael Braunagel wohl ein Hit wird: Man darf das Gerät sowohl auf der Straße als auch auf Fahrradwegen benutzen. Es fährt beinahe lautlos, weil es nicht mit Benzin, sondern mit Strom betrieben wird. Und der ist garantiert öko, versichert Michael Braunagel. Aber das vielleicht Wichtigste an dem Roller: Es sieht verdammt gut aus, wenn man damit durch die Stadt braust.

Vor zwei Monaten hat Braunagel seinen Leihbetrieb „Rollout“ in der Kreuzberger Wilhelmstraße eröffnet. Die silbernen Roller, die maximal 20 Stundenkilometer schnell fahren, kann man dort stunden- oder auch tageweise ausleihen. Wird das Geschäft ein Erfolg, will der Betreiber bald eine zweite Filiale in Prenzlauer Berg aufmachen.

In Berlin haben ungewöhnliche Fortbewegungsmittel gute Chancen, sich im Stadtbild zu etablieren. Vor allem wegen der vielen Touristen, die mobil sein wollen, ohne gleich ein Auto mieten zu müssen. Bereits ein Klassiker unter Berlins Alternativgefährten sind die Rikschas, von denen inzwischen mehr als 100 Stück in der Stadt unterwegs sind. Auch Prominente steigen ein, Boris Becker, Thomas Gottschalk und Sissi Perlinger zum Beispiel wurden schon darin gesichtet. Ebenso gefragt sind Tandems und die sogenannten Conference-Bikes. Die heißen so, weil sieben Personen darauf Platz finden und gemeinsam in die Pedale treten – und zwar in einer Runde, als säßen sie am Konferenztisch. Das bedeutet: Zwei Teilnehmer müssen rückwärts fahren, und viele Passanten gucken komisch, wenn man an ihnen vorbeiradelt. Aber es macht ungeheuren Spaß. Behaupten die Vermieter.

Gelegentlich entwickeln Berliner auch Eigenkonstruktionen. Wie das „Grillrad“ der Verleihstation „Pedalpower“ in Lichtenberg. Als Basis nahmen die Tüftler ein Lastenfahrrad mit einem Hinter- und zwei Vorderrädern, darauf montierten sie vorne eine komplette Grillstation – mit Gasgrill, Stauraum für Fleisch und Getränke, dazu ein Waschbecken mit Pumpe. Das Spezialrad ist im Sommer sehr gefragt, heißt es. Wer damit am Wochenende auf Tour gehen möchte, muss es rechtzeitig reservieren.

Schneller als Ökoroller, Rikschas und Conference-Bikes ist Daniel Hurst mit seinem Huskyschlitten auf Rollen. Bis zu 40 Stundenkilometer schaffen die sechs Hunde, zwei Erwachsene und ein Kind können hinten Platz nehmen. Hursts Touren starten am Potsdamer Platz und gehen durch den Tiergarten: vom Brandenburger Tor zur Siegessäule, von dort zum Zoo und anschließend weiter zu Schloss Bellevue und Kanzleramt. Wenn es im Sommer draußen sehr heiß ist, bietet Hurst seine Touren nur morgens und abends an. Und hält zwischendurch am Neuen See an, damit die Tiere ins Wasser springen können. Abends sind die Fahrten sowieso am spektakulärsten. Da kommen nämlich die Kaninchen aus ihren Verstecken. Allein deren Geruch mache die Huskys noch um einiges schneller, sagt Daniel Hurst.

In die Kritik geraten sind diesen Sommer Berlins Kutscher und Kremser. Tierschützer sagen, dass einige gerade an heißen Tagen zu wenig an die Gesundheit ihrer Pferde denken. Auch das Bezirksamt Mitte will jetzt eingreifen. Aber verboten werden Kutschfahrten wohl nicht. Stattdessen müssen alle Betreiber bald nachweisen können, dass sie ihre Pferde zwischendurch schonen und ihnen gerade im Sommer genug frisches Wasser geben. Die neuen Regeln kommen erst im September – Pech für die Tiere.

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