Urbanes Leben : Städtebau-Tour durch Berlin

Bürgermeister Klaus Wowereit und Entwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer äußerten sich am Donnerstag auf ihrer gemeinsamen Rundfahrt durch Berlin zu städtebaulichen Plänen. Demnach sollen vor allem Areale, wie der Alexanderplatz und das Spreeufer attraktiver werden.

Städtebau-Tour
Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Entwicklungssenatorin Ingeborg Jung-Reyer bei der Städtebau-Tour. -Foto: TR

BerlinSeit der deutschen Wiedervereinigung ist Berlin eine Herausforderung für Städteplaner und Architekten. Zwar ragen nicht mehr so viele Kräne in den Himmel über Berlin wie in den 90er Jahren und zu Beginn des neuen Jahrtausends. Aber nach wie vor gibt es zahlreiche Baustellen und Brachen im Zentrum der Metropole und mindestens ebenso viele Projekte in den Schubladen der Planer und Entwickler. "Berlin ist reich an Flächen, reich an entwicklungsfähigen Arealen", beschrieb Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer die Situation am Donnerstag bei einer städtebaulichen Stadtrundfahrt gemeinsam mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (beide SPD).

Eine Station der Tour war der Alexanderplatz. Dort bietet die Dachterrasse eines Hochhauses eine sehr gute Aussicht auf die City. Beim Blick auf die Baustelle eines neuen Geschäftshauses, in dem unter anderem ein Elektronik-Markt einziehen soll, kommen Wowereit auch Zweifel. "Wir müssen darauf aufpassen, dass die Fassaden attraktiv gestaltet werden", sagte er.

Attrakitvität des Alexanderplatzes soll gesteigert werden

Der Regierende Bürgermeister befürchtet, dass die der Grunerstraße zugewandte fensterlose Seite des Neubaus insgesamt den Eindruck eines "Klotzes" erweckt, der "zur Attraktivität des Areals nicht weiter beiträgt". Auf die Fassadengestaltung könne Einfluss genommen werden. Dies sei zum Nachteil des Stadtbildes offensichtlich beim benachbarten Einkaufszentrum "Alexa" nicht geschehen, wie die rötlichen, geschlossenen Betonwände zeigten.

Direkt an das neue Geschäftshaus angrenzend soll ein Hochhaus entstehen. Hochhäuser wie das Hotel Park Inn am Alex fügten sich durchaus in das Stadtbild ein, sagte Wowereit. Sie steigerten die Attraktivität dieses "insgesamt problematischen Platzes".

Zwar zeige die Großbaustelle Alexanderplatz, dass sich hier vieles positiv entwickle, aber es müsse noch einiges getan werden, um die Qualität als Einzelhandels- und Aufenthaltsort weiter zu verbessern, fügte Wowereit hinzu. Ein Ärgernis dabei ist aus Sicht des Regierungschefs das verunreinigte Pflaster. "Hier kleben Millionen von Kaugummis", klagte Wowereit. Diese seien wegen des Untergrunds wohl sehr schwer zu beseitigen.

Wowereit bedauert gescheitertes Mediaspree-Projekt

Die Fahrt führte weiter zur East-Side-Gallery an der Mühlenstraße in Friedrichshain-Kreuzberg. Auf dem Weg dorthin befindet sich am Spreeufer eine Wagenburg, die zur Straße hin von einer hohen, mit Stacheldraht bewehrten Mauer abgeschirmt ist. "Hier gibt es keinen freien Zugang zum Fluss", kritisierte Wowereit. Und gastronomische und kulturelle Einrichtungen verlangten Eintritt, um ans Ufer zu gelangen.

Wowereit spielte mit dieser Kritik auf die Gegner des Mediaspree-Projekts an, die sich bei einem rechtlich nicht bindenden Bürgerentscheid in dem Bezirk mit deutlicher Mehrheit gegen die Pläne von Investoren ausgesprochen hatten. Diese wollen das Gebiet an der östlichen Spree zwischen Elsen- und Schillingbrücke unter anderem mit Wohn- und Bürogebäuden bebauen. Die Gegner des Projekts fordern einen Mindestabstand zum Ufer von 50 Metern und ungehinderten Zugang zum Wasser. Die offiziellen Baupläne sehen lediglich zehn Meter vor.

Der Bezirk müsse die Konsequenzen aus dem Bürgervotum ziehen, sagte Wowereit. Es gehe nicht an, die politische Verantwortung auf den Senat zu übertragen und diesen mit möglichen Schadenersatzansprüchen der Investoren zu konfrontieren. Junge-Reyer betonte, es sei in den Plänen bereits vorgesehen, das "Wasser so weit wie möglich erlebbar zu machen". Gebäude, die bereits - wie auf der Kreuzberger Seite der Spree - direkt am Ufer stehen, sollen mit drei Meter breiten Stegen umgeben werden, damit eine ununterbrochene Promenade geschaffen werden kann. (kk/ddp)

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