Stadtleben : Urknall statt Langeweile

Für Daheimgebliebene bietet die Stadt zahllose Ferienabenteuer. Ein paar davon stellen wir hier vor

Rita Nikolow

Der eine ist die geborene Rampensau, der andere neigt zu lähmendem Lampenfieber. Wie es sich anfühlt, auf der Bühne zu stehen, im Scheinwerferlicht und vor Publikum, weiß man erst, wenn es wirklich so weit ist. In Berlin sind nach den Sommerferien 45 Kinder schlauer: In kostenlosen Workshops in den Kulissen der beiden Musicals „Mamma Mia“ und „Elisabeth“ oder bei der „Blue Man Group“ können sie erproben, ob sie bühnentauglich sind. Hier greifen sie zur Trommel, dort zu Schere und Nadel, um Kostüme zu entwerfen – Theater findet nicht nur im Lichtkegel statt.

Ferienzeit ist Reisezeit? Das gilt nicht immer. Kinder und Jugendliche, die in den kommenden Wochen in Berlin und Brandenburg bleiben und zwischen langem Ausschlafen und spätem Zubettgehen dennoch Tolles erleben möchten, dürfen sich Tag für Tag neu entscheiden – für Sport, Kunst oder Natur. Zum Beispiel bei den Science Camps im Exploratorium Potsdam. Das Mitmachmuseum bietet Tagesveranstaltungen zu Wissenschaftsthemen an, meist unter freiem Himmel. „Die Kinder sollen bei uns auf unterhaltsame Weise etwas lernen“, sagt Mitarbeiter Boris Smalla. Während der Thementage können die Besucher zum Beispiel ein eigenes Minifloß oder eine Rakete bauen. Oder mehr über den Urknall und die Entstehung des Sonnensystems erfahren. Wegen der großen Nachfrage hat das Exploratorium die Zahl der Betreuer erhöht und nimmt weitere Anmeldungen entgegen.

Viel frische Luft gibt es auch im Ökowerk am Teufelssee im Grunewald: Auf dem Gelände findet man Teiche, Wiesen und einen Biogarten. Die Besucher des Ferienprogramms können zum Beispiel eine Survivalwoche mit nützlichen Kenntnissen zum Überleben in der Wildnis durchstehen und lernen, wie ein sicherer Unterschlupf gebaut wird und man essbare von giftigen Pflanzen unterscheidet.

Sportfreunde können in den Ferien erste Erfahrungen auf dem Einrad sammeln: Die Eywie-Einradfahrschule in der Ufa-Fabrik bietet Kurse für Anfänger sowie Tricks und Kniffe für Fortgeschrittene an. Wem das zu schweißtreibend ist: Die Sportjugend Berlin lädt im Sommerbad Wilmersdorf zu einem Schnupperkurs im Wasserball.

Aber mancher wissbegieriger Knirps möchte vielleicht lieber erfahren, wie weit Kängurus springen oder warum Eisbären nicht frieren. Während der Führungen mit Spezialisten im Zoo dürfen sie diesen ungehemmt Löcher in den Bauch fragen. Um Existenzielles geht es dagegen in der Philosophiewerkstatt des Vereins Initiale. Wo kommen wir her, was passiert nach dem Tod, was ist der Sinn des Lebens? Über solche Themen können die sechs- bis neunjährigen Teilnehmer sprechen – und nebenbei die bekanntesten Philosophen kennenlernen.

Sprachsommercamps werden auch angeboten, etwa in der Gelben Villa in Kreuzberg, für Schüler, die Deutsch als Zweitsprache erlernt haben. „Vormittags gibt es drei Stunden Sprachunterricht“, sagt Geschäftsführerin Andrea Wellbrock. Am Nachmittag werde dann aber kreativ an den Sprachkenntnissen gefeilt: in einer Band, im Hörspielworkshop, in der Rap-Werkstatt oder beim Theaterspielen.

Noch mehr Möglichkeiten hat, wer neun Euro in den Superferienpass investiert. 200 Freizeitangebote sind dann gratis oder mit ermäßigtem Eintritt zu haben. Zum Beispiel kommen Kartenbesitzer einmal umsonst in den Zoo, ins Naturkundemuseum, auf den Funkturm und ermäßigt ins FEZ in der Wuhlheide. Außerdem haben sie an allen Ferientagen freien Eintritt in die Bäder der Berliner Bäderbetriebe.

Wen das Fernweh dennoch nicht loslässt, der kann noch schnell die Koffer packen, für eine acht- bis zwölftägige Reise in die Uckermark oder zur Oder, angeboten von der Bildungsstätte Kurt Loewenstein in Werneuchen/Werftpfuhl nordöstlich von Berlin. In der „Zauberakademie“ dagegen studieren die Teilnehmer magische Tricks ein, beim „Indianerabenteuer“ stehen Bogenschießen, Kanufahren und Fährtenlesen auf dem Programm. Und bei „Huckleberry Finn auf Sommertour“ erkunden die Teilnehmer die Umgebung mit einem selbstgebauten Floß.

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