Veranstaltungen : Die Stadtleben-Höhepunkte 2010

Berlinale, Fashion Week, Fanmeile, Popkomm und viel Konzerte: Die Liste der Stadtleben-Höhepunkte ist 2010 besonders lang. Was uns erwartet.

von und Lydia Brakebusch
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Im Januar wird die Fashion Week viele Stars an die Laufstege locken. -Foto: dpa


AUF DIE LEINWAND

Noch steht nicht fest, welche Stars zur Jubiläums-Berlinale Mitte Februar tatsächlich erscheinen. Gerechnet wird mit: Pierce Brosnan, Ewan McGregor und Leonardo DiCaprio. Letzterer war schon vergangenes Jahr zu Gast, damals aber nur zum Feiern und ohne eigenen Film. Diesmal läuft „Shutter Island“, in dem Leo zusammen mit Ben Kingsley zu sehen ist. Auch Regisseur und DiCaprio-Freund Martin Scorsese wird erwartet. 400 Filme wollen die Veranstalter insgesamt zeigen, den größten Fanauflauf wird Bollywood-Star Shah Rukh Khan verursachen. Bei seinem letzten Berlinale-Besuch musste die Polizei Straßen abriegeln. Außerdem soll es zur 60. Ausgabe des Festivals einige Neuerungen geben: Die roten Teppiche werden umweltgerecht mit Niedrigvolt-Lampen ausgeleuchtet, einige Kiez-Kinos wie das Toni in Weißensee und das Union in Köpenick werden Festival-Orte. Leo muss aber nicht raus zum Müggelsee, heißt es.

Höhepunkte des Berliner Stadtlebens 2010
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1 von 20Foto: Thilo Rückeis
02.01.2010 19:26Die Grüne Woche beginnt am 15. Januar auf dem Messegelände unterm Funkturm. -



OPEN-AIR-OPER

Zu „Tristan und Isolde“ kamen voriges Jahr 18 000 Zuhörer, diesmal wird es mindestens ebenso voll: Anfang Juni findet auf dem Bebelplatz zum vierten Mal die „Staatsoper für alle“ statt. Am ersten Tag spielt die Staatskapelle drinnen unter Leitung von Daniel Barenboim Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“, das Konzert wird auf den Bebelplatz übertragen. Am zweiten Tag findet es direkt dort statt – gratis ist beides. Ab Oktober residiert die Staatsoper im Schiller-Theater, denn das Gebäude Unter den Linden wird für 239 Millionen Euro saniert. Zur Eröffnung gibt’s am Einheitstag eine Uraufführung.

SOLO FÜR KLARINETTE

Zum Schauspielern zu alt, zum Jazzen nicht: Die Hauptrolle in seinem aktuellen Film „Whatever Works“ wollte Woody Allen aus Altersgründen nicht selbst übernehmen, der Klarinettenpart in der New Orleans Jazz Band bleibt aber Chefsache. Jeden Montag tritt die Formation im New Yorker Hotel The Carlyle auf. Woody Allen & His New Orleans Band haben in den Neunzigern zwei Alben veröffentlicht, 2008 gaben sie ein gefeiertes Konzert in Dresden. Mit diesen Vorschusslorbeeren traut sich der zierliche Stadtneurotiker im März aus seinem geliebten Manhattan ins Berliner Tempodrom.

IN GEDENKEN

Die „Ehrfurcht vor dem Individuum“ war der künstlerische Grundsatz von Roger Melis. Der 1940 in Berlin geborene Fotograf prägte den Bildjournalismus mit seiner atmosphärisch dichten Schwarz-Weiß-Fotografie. Im September vorigen Jahres starb Roger Melis in seiner Heimatstadt, C/O Berlin würdigt ihn im März mit einer Retrospektive, die bereits im Aachener Surmont-Museum zu sehen war. Sie zeigt 150 Bilder – unter anderem berühmte Porträts von Wolf Biermann, Anna Seghers und Heiner Müller.

STOFF ZUM TRÄUMEN

Noch zweieinhalb Wochen bis zur Fashion Week. Joop!, Kilian Kerner, Michalsky und Strenesse präsentieren ausgewählten Gästen ihre Kollektionen, alle anderen können über die Showroom-Meile Unter den Linden und in der Friedrichstraße schlendern: auf der öffnen dieses Jahr unter anderem die Deutsche Guggenheim, Galeries Lafayette und das Atrium der Deutschen Bank ihre Türen. Das Kennedy-Museum präsentiert die Fotoausstellung „John F. Kennedy. Fashion goes public“. Auf dem Flughafen Tempelhof findet zeitgleich die Fachmesse „Bread & Butter“ statt, am Gleisdreieck die „Premium“. Wer sich intensiv mit dem Thema Mode auseinandersetzen will, kann das Symposium von Tagesspiegel und „Zitty“ besuchen: Im Columbiaclub diskutiert am 22. Januar Tagesspiegel-Chefredakteur Lorenz Maroldt mit stilsicheren Gästen.

ZEIT, DASS SICH WAS DREHT

Neun Millionen Besucher feierten im Sommermärchensommer 2006 auf der Fanmeile im Tiergarten. So viele werden es dieses Jahr nicht, was auch daran liegt, dass die Riesenleinwände voraussichtlich erst ab dem WM-Achtelfinale zum Einsatz kommen – ob mit deutscher Beteiligung oder nicht. Dafür gibt es zur Turnier-Eröffnung am 11. Juni eine Massenparty vor dem Olympiastadion – und die Gruppenspiele werden in zahllosen Kneipen und Bars übertragen.

SING ZUM ABSCHIED LEISE „TOUCHY“

Rückkehrer, Aussteiger und Dauerbrenner treten 2010 auf Berliner Bühnen auf: Westernhagen, der einst verkündete, nie wieder in Stadien spielen zu wollen, gastiert im Oktober in der O2-World, wo im Mai auch – nach fast zehn Jahren Tourpause – US-Sängerin Whitney Houston auftritt. Manche kommen wieder, andere waren nie so ganz weg: Eros Ramazzotti , Peter Gabriel und Eric Clapton spielen allesamt in der O2-World, die Hardrocker AC/DC im Olympiastadion und Popstar Pink in der Waldbühne. Außerdem haben sich die frisch wiedervereinigten Spandau Ballet angekündigt, Ultravox wollen sogar in Originalbesetzung spielen. A-ha werden von Rückkehrern wieder zu Aussteigern und verabschieden sich Ende Oktober in der O2-World von der Musikwelt.

VOLLES HAUS

Neben der „Bread & Butter“ sind 2010 weitere Großveranstaltungen auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof geplant: Nach der Komplettabsage im Vorjahr will dort im September die Musikmesse Popkomm neu starten, gleich im Anschluss findet das Berlin-Festival statt, das 2009 mit Auftritten von Pete Doherty und Peaches sowie 14 000 Zuhörern ein erfolgreiches Tempelhof-Debüt hatte. Diesmal ist eine Bühne zusätzlich eingeplant. Auch die Jugendmesse YOU verlässt das Gelände unterm Funkturm und zieht im Oktober in das alte Flughafengebäude ein. Nur die ILA bleibt in Schönefeld.

MUSICAL MIT PANIKGARANTIE

In den Achtzigern stand Udo Lindenberg am Potsdamer Platz und rief den diensthabenden Vopos ein fröhliches „Hey Jungs, zieht die Fummel aus. Schmeißt die Knarre weg. Der ganze Scheiß is’ bald vorbei“ zu. Zum Dank plant das Theater am Potsdamer Platz ein „Lindenberg-Musical“, mit 20 Udo- Songs für 20 Jahre deutsche Einheit. „Hinterm Horizont“ soll es heißen, am 9. November ist Premiere, mit dem Erscheinen des Sängers darf gerechnet werden. Das Stück könnte sehr lustig werden: Thomas Brussig („Sonnenallee“) hat das Buch geschrieben.

EIN MUSEUM ALS AUTOKINO

Phil Collins kommt. Nein, nicht der mit „In the Air Tonight“, sondern Phil Collins, der Künstler. Am 5. Februar wird er die Temporäre Kunsthalle im Vorfeld der Berlinale in ein „vollfunktionales Indoor-Autokino“ verwandeln. Dazu will sein Team eine veritable Gebrauchtwagenflotte in die Kunsthalle schaffen, die Karren dienen dann den Gästen als bequeme Logenplätze. Gezeigt werden Spielfilme und Kunstvideos. Im April weicht das Kino Tilo Schulz’ Ausstellung „Squatting“.

MACHT HOCH DIE TÜR

Seit Januar 2008 ist die Nikolaikirche in Mitte wegen Sanierungsarbeiten für den Publikumsverkehr geschlossen. Jetzt sind die Arbeiten fast beendet, am 21. März soll das Bauwerk mit einer großen Zeremonie und neuer Dauerausstellung „Vom Stadtgrund bis zur Doppelspitze“ wieder eröffnet werden. Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählt der Abstieg in die Beyersche Gruft, in der man auf das Bodenniveau der Stadtgründungszeit hinabsteigen und so das älteste erhaltene „Berliner Zimmer“ betreten kann. 

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