Veranstaltungshaus : Tempodrom könnte das Land noch mehr kosten

Die europaweite Suche nach einem neuem Besitzer ist gescheitert. Nun wird eine Versteigerung befürchtet.

Lars von Törne
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Belebt. Auch ohne neue Besitzer gibt es im Tempodrom viele Veranstaltungen. Foto: ddp

Die wirtschaftliche Aufarbeitung der Tempodrom-Affäre zieht sich länger hin als erwartet. Wie jetzt bekannt wurde, hat die seit Jahren laufende Suche nach einem neuen Besitzer für das Veranstaltungshaus am Anhalter Bahnhof, das vor bald fünf Jahren wegen überhöhter Baukosten und umstrittener politischer Unterstützung im Zentrum einer Affäre stand, einen neuen Rückschlag erlitten.

Insolvenzverwalter Udo Feser bestätigte am Mittwoch einen Bericht der RBB-„Abendschau“ vom Vortag, dem zufolge die europaweite Ausschreibung des Tempodroms gescheitert ist. Das Verfahren musste abgebrochen werden, nachdem der unter einer Handvoll Interessenten ausgewählte Bewerber den vereinbarten Preis nachträglich reduzieren wollte. Wer der Bewerber war und für welchen Preis der Bau verkauft werden sollte, wollte Feser nicht verraten.

Für die Besucher des Musik- und Unterhaltungsprogramms, des Restaurants oder des Schwimmbades Liquidrom im gleichen Haus hat die neue Entwicklung indes keine direkten Auswirkungen: Der Betrieb ist von der gescheiterten Ausschreibung nicht berührt, das Tempodrom ist weiterhin gut gebucht und läuft wirtschaftlich, sagt der Geschäftsführer der Firma Treugast, Stephan Gerhard. Seine Firma ist für die Vermietung der Veranstaltungsräume zuständig.

Bei der jetzt gescheiterten Ausschreibung geht es um den Erbbaupachtvertrag für den Veranstaltungsbau. Die Ausschreibung soll nun wiederholt werden.

Die Frage, ob und zu welchem Preis sich ein neuer Besitzer findet, hat für Berlin direkte Folgen: Von der Höhe hängt ab, wie hoch der finanzielle Schaden ist, für den das Land – und damit der Steuerzahler – einzustehen hat. Denn obwohl der Neubau um die Jahrtausendwende ein privates Projekt war, wurde er weitgehend mit öffentlichen Mitteln finanziert. „Die Gesellschaft hat einen Anspruch darauf, zu erfahren, wie hoch der Schaden ist – allerdings kann man auch von einem Insolvenzverwalter nichts Unmögliches verlangen“, sagte Michael Braun, CDU-Politiker und einst Vorsitzender des Tempodrom-Untersuchungsausschusses im Abgeordnetenhaus, am Mittwoch. Er befürchtet, dass bei weiter erfolglosen Verkaufsversuchen das Tempodrom zwangsversteigert werden muss – was erfahrungsgemäß weniger Geld bringt als ein Verkauf.

Für den Bau des Tempodroms waren die langjährige Tempodrom-Betreiberin Irene Moessinger und ihr Geschäftspartner Norbert Waehl verantwortlich. Wegen mehrerer unerwarteter Entwicklungen stiegen die Kosten von anfangs 16,4 Millionen auf rund 33 Millionen Euro. Ein Teil des Geldes kam aus einem vom Land verbürgten Kredit von 12,7 Millionen Euro. Wegen dieser und anderer Verwicklungen des Landes und mehrerer Politiker war die Tempodrom-Geschichte sowohl von den Gerichten als auch vom Untersuchungsausschuss aufgearbeitet worden. Allerdings wurden sowohl der wegen seines Engagements für das Haus kritisierte frühere Senator und SPD-Chef Peter Strieder als auch die ehemaligen Betreiber von den Gerichten von dem Verdacht freigesprochen, den Schaden wissentlich herbeigeführt zu haben. Vor gut einem Jahr sprach das Landgericht Moessinger und Waehl wegen „erwiesener Unschuld“ frei.Lars von Törne

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