Verdrecktes Berlin : Die Liebe, der Park und der Müll

Görlitzer Park? Müll. Volkspark Friedrichshain? Müllmüll. Tiergarten? Müllmüllmüll. Bernd Matthies lässt sich da sogar Kritik aus Hamburg gefallen.

Bernd Matthies
Bernd Matthies, Redakteur für besondere Aufgaben.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Es ist immer heikel, wenn oben an der stets blank gewienerten Elbchaussee die Belehrer den Mund öffnen. „Die meisten Hamburger lieben ihre Stadt, und wer seine Stadt liebt, der schmeißt keinen Müll weg“, sagte Bürgermeister Ole von Beust jetzt in einem Zeitungsinterview, „Vandalismus und Graffiti sind bei uns auch vorhanden, aber nicht so ausgeprägt wie zum Beispiel in Berlin.“

Rumms. Nun ist der blanke Neid auf die Elbchaussee und ihre Nebenstraßen die eine Sache, und die Wahrheit eine andere. Und diese Wahrheit ist: Beust hat recht, Ostern hat es, wieder einmal, bewiesen. Wer am Sonntag oder Montag einen der Berliner Innenstadtparks durchquerte, der konnte darüber nur noch in unterschiedlichen Stufen des Entsetzens berichten. Görlitzer Park? Müll. Volkspark Friedrichshain? Müllmüll. Tiergarten? Müllmüllmüll.

Ach, nun ist Berlin viel zu groß, um als Ganzes geliebt zu werden. Aber wäre es zu viel verlangt, doch zumindest den Park zu lieben, in dem man für Gotteslohn seine Lammkeule grillt, jenen Park, der sein Grün als Rahmen für komplexe Sauforgien ebenso gern hergibt wie für schlichten jugendlichen Überschwang? Wenn nicht alles täuscht, steckt dahinter aber nicht nur ein Mangel an Zuneigung, sondern eine allgemeine, in Berlin besonders ausgeprägte Leck-mich-Haltung. 1.: Dafür zahle ich Steuern, bzw. 2.: Dafür kriege ich so wenig Hartz IV. 3.: Dafür ist die BSR da. Und 4.: Selbst schuld, der Staat, was kauft er mir kein Haus mit Garten?

Erschreckend ist, dass kaum noch jemand dem einfachen, bürgerlichen Impuls folgt: Ich mache beim Picknick Dreck, und wenn die Mülleimer voll sind, nehme ich ihn wieder mit nach Hause. Oder es flüchten jene, die die es täten, von den Müllorgien der anderen abgeschreckt nach Brandenburg – und geben damit die Innenstadtparks der Verballermannisierung preis. Oder sie kommen erst Dienstag, wenn die BSR alles wieder aufgeräumt hat.

Was übrigens ein wenig schade ist. Denn womöglich würden sogar die hartleibigsten Parkchaoten ihr Treiben eklig finden, läge der Dreck am nächsten Wochenende immer noch auf der Wiese. Doch wer möchte diesen Test riskieren, möchte Bilder des vermüllten Berlin in der Weltpresse sehen? Komischerweise lieben sie diese Stadt nämlich draußen viel mehr, als es die meisten ihrer Einwohner tun. Das ist in Hamburg umgekehrt.

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