Wachsfiguren : Klaus & Klaus

Da wachst zusammen, was zusammengehört: Der Regierende Bürgermeister stellt bei Madame Tussauds sein Puppendouble vor. Wowereit ist zufrieden mit der Ähnlichkeit, und die Besucher können Original und Abbild fast nicht unterscheiden.

Lothar Heinke
Wowi und Wowi Foto: ddp
Da hätte der Regiernde aber auf seine Krawattenwahl achten sollen... -Foto: ddp

„Da, det issa!“ Vorsichtig pirschen sich die beiden Knirpse durch die lange Warteschlange am Eingang zum wächsernen Prominentenkabinett der Madame Tussauds Unter den Linden 74. Dann schlüpfen sie durch die Beine der Kamera-Kameraden, die in Bataillonsstärke angetreten sind. Als ob Barack Obama kommt. Oder der Papst. Und nun staunen die Jungs vor dem total unbewegten Klaus Wowereit: „Det issa ja janich!“ Der Regierende Bürgermeister aus Wachs soll am Eingang den echten Regiermeister begrüßen. Da kommt er, stutzt und staunt: Operation gelungen, Patient lebt. Der echte wackelt mit dem Kopf. Beide zieren ein paar Fältchen, graue Haare. Und das Wowi-Lächeln. Nur am roten Schlips wird man den richtigen erkennen, der falsche hat eine silbergraue Krawatte.

„Ich find das ganz gelungen, und es ist doch gut, dass man die Menschen hier bei dieser neuen Attraktion in Berlin willkommen heißt“, sagt der Star-Gast. Und dann schlendert er durch die deutsche und europäische Geschichte, direkt hinein ins personifizierte Showbiz. Nach Otto von Bismarck kommt sehr bald dieser berühmt-berüchtigte Schreibtisch ins finstere Bild, ein leerer Platz, seit jemand um einer Wette willen dem Adolf Hitler den Kopf verdreht und die Figur enthauptet hatte. Soll der „Führer“ überhaupt repariert wiederkommen? Klaus Wowereit: „Zur Berliner Geschichte gehören nicht nur die Zeiten von Glanz und Gloria, sondern auch die dunklen Zeiten des nationalsozialistischen Terrorregimes. Hitler hat von hier aus den Massenmord geplant, Hitler ist eine Person der Zeitgeschichte. Wenn er hier nicht ausgestellt worden wäre, hätte mir nichts gefehlt, aber es ist eine Entscheidung von Tussauds, ihn hier darzustellen, und wir sollten heute nichts verdrängen, Hitler war hier in Berlin, und wenn er adäquat dargestellt wird, dann ist das hinzunehmen als private Veranstaltung. Dies ist ja kein historisches Museum.“

Wie wahr, aber ein bisschen schon: Karl Marx mit Wallewalle-Bart, Sigmund Freud auf der Couch, bitte Platz zu nehmen!, Albert Einstein und Bert Brechts Blick durch die Brille – ins rechte Auge haben sie eine unsichtbare Kamera montiert, die den verdutzten Betrachter auf einen Monitor transportiert. Brecht hat eben den Durchblick. Die anderen stehen so einfach rum. „Der ist ja toll getroffen“, lobt Klaus Wowereit die markanten Züge von Willy Brandt, „aber der Bush ist in Wirklichkeit kleiner, seit ich neben ihm gestanden habe, weiß ich das“. Angela Merkel sieht aus wie ihre jüngere Schwester, mit ihr kann sich jeder am Rednerpult ablichten lassen, auch mit Beethoven und Bach, Henry Maske, Boris Becker, Alice Schwarzer und Papst Benedikt. Für stolze 18,50 Euro macht sich nahezu jeder den Spaß, das Berühren der Figüren ist erlaubt, aber heute siegt der leibhaftige Wowi spielend über alle Stars von Günter Grass bis Winston Churchill und Walter Ulbricht, ganze Schulklassen möchten mit dem Regierenden aufs Foto. Und der macht lässig mit. Für Berlin: „Ich bin sicher, dass diese gelungene Präsentation ein großer Zuschauermagnet wird“.

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