Stadtleben : Was Geckos und Elefantenschädel lehren

Paul Janositz

Im Liebermann-Haus präsentiert sich die Natur als Lehrmeister. Sie liefert Blaupausen für technische Entwicklungen, etwa für Flugzeugflügel oder Klettverschlüsse. Bionik heißt die Wissenschaft, die diese Ideen nutzen will. Die Ausstellung wurde von der Stiftung Brandenburger Tor konzipiert.

Am Eingang grüßt „Archaeopteryx“, ein fliegender Saurier, der vor 150 Millionen Jahren lebte. Sein Fossil symbolisiert die Strategie der Natur, neue Eigenschaften durch allmähliche Änderungen entstehen zu lassen. In Experimenten kann der Besucher diese Taktik nachvollziehen. So wird mit einigen Tastenklicks eine gewünschte Farbe evolutionär zusammengemischt. Dann steht man vor dem Terrarium und sieht staunend Geckos die Glasscheiben hochklettern. Das kleine Reptil hat keine Saugnäpfe, es hinterlässt auch keine klebrigen Spuren. Der Gecko stellt vielmehr mit Milliarden winzigster Härchen einen innigen Kontakt zur Oberfläche her. Ließe sich diese Technik für Klebebänder nutzen, könnte man schwerste Lasten an feinsten Seilen befestigen. Im Bau- und Statikbereich sind natürliche Prinzipien schon verwirklicht, etwa mit baumorientierten Dachkonstruktionen. Das Modell der Mannheimer Halle von Frei Otto ist eines der 200 Exponate, ebenso wie der Schädel des Afrikanischen Savannenelefanten, der als Prototyp des natürlichen Leichtbaus gilt. Dass der Umgang mit der Natur nicht nur zweckbezogen sein sollte, demonstrieren Kunstwerke. Spektakulär ist die Installation von Franz Fitzek, in der roboterartige Spielzeugautos miteinander kommunizieren. Paul Janositz

„Prototypen, Bionik und der Blick auf die Natur“; Ausstellung im Max Liebermann Haus, Berlin, Pariser Platz 7, 24. Mai bis 24. August, geöffnet: Mo, Mi, Do, Fr: 10 - 18 Uhr; Sa und So: 11 - 18 Uhr, Di. geschlossen. Eintritt: 4 Euro, Erm. 2 Euro

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