Stadtleben : Was vorm Ende übrig bleibt

Jack Nicholson, Morgan Freeman und Regisseur Rob Reiner stellten ihren neuen Film vor

Andreas Conrad

Wohin nur mit dem Geld? Eine in bestimmter geschichtlicher Konstellation nicht leicht zu beantwortende Frage. Zum Beispiel man läuft als millionenschwerer Hollywood-Star zu Mauerzeiten durch Ost-Berlin, die Taschen noch voller Alu-Chips. Man könnte etwas kaufen, aber was? Jack Nicholson versuchte es anders. „Ich wollte das Geld verschenken, aber die Menschen hatten Angst und wollten es nicht nehmen.“

Die Episode, die der Schauspieler gestern Nachmittag im Schauspielhaus am Gendarmenmarkt bei der Pressekonferenz zu seinem neuen Film zum Besten gab, liegt lange zurück, und es ist wohl nicht ohne historische Ironie, dass „Das Beste kommt zum Schluss“ dann am Abend am Potsdamer Platz Premiere hatte, an der alten Grenze zwischen Ost und West, wo sich heute alles um eines dreht: Wie wird man sein Geld los?

Dort auf dem roten Teppich vor dem Cinemaxx hatten Nicholson, Filmpartner Morgan Freeman und Regisseur Rob Reiner das an solchen Tagen obligatorische Dauerverhör durch die Presse schon hinter sich: erst Pressekonferenz zu dritt im Schauspielhaus, anschließend jeder einzeln ein Interviewmarathon im nahen Regent Hotel. Fragen über Fragen, darunter immer wieder eine: Wie sieht Ihre persönliche Löffelliste aus?

Darin steht alles, was man noch erledigen möchte, bevor man „den Löffel abgibt“ – und diese Aufgabe stellt sich dem von Nicholson gespielten Milliardär Edward Cole und dem von Freeman dargestellten Automechaniker Carter Chambers besonders dringlich, haben sie doch jeder nur noch ein halbes Jahr Zeit.

Klar also, dass die sehr private Frage nach der Liste sehr bald kommt, und klar auch, dass es darauf keine Antwort gibt. Jedenfalls nicht so richtig, nur dass er sehr gerne noch einmal mit beiden drehen würde (Reiner); dass man von ihm einmal sagen könne, er habe zu seinen Prinzipien wie Ehrbarkeit, Integrität gestanden (Freeman); oder auch, dass er keine solche Liste besitze und mit dem Leben zufrieden sei (Nicholson).

Ein sehr gegensätzliches, doch prima sich ergänzendes Schauspielerpaar hat unter Rob Reiners Leitung zusammengefunden, auf der einen Seite Freeman, für den Regisseur so etwas wie „ein Zen- Meister“ von unerschütterlicher Ruhe, auf der anderen der von diesem vorgeschlagene Nicholson, eher „ein Hurrikan“, irgendwie „gefährlich, unkalkulierbar, faszinierend“, außerdem ein hervorragender Autor, der mit Reiner jeden Morgen noch einmal die fälligen Manuskriptseiten durchging und zuspitzte.

Zwei auch in der künstlichen Zufallsrunde einer Journalistenschar ganz unterschiedlich agierende Stars: Freeman in seinen Antworten nachdenklich, präzise, verbindlich; Nicholson das Showtalent, der eben den Nicholson gibt, in kaum zu stoppendem Redefluss, wenngleich diesmal nicht mit dem berühmten Haifischgrinsen, aber ein Spötteln auf die Frage, ob ihn solche Termine nicht langweilen, mag er sich nicht verkneifen: „Der weise Mann langweilt sich nie.“

In manchem ähnelt er seiner Filmfigur: die berufliche Erfüllung, die ihn von der Sorge, ob er nicht mit einem Projekt zu viel riskiere, befreie: „Ich habe alles. Was kann mir noch passieren?“ Aber ohne seine Arbeit leben, das ginge nicht: „I love making movies.“ Besonders solche wie „The Bucket List“, wie der neue Film im Original heißt, der Gefühle enthalte, ohne sentimental zu sein, der die Herausforderung biete, „bei einem schwierigen Thema auch Lacher zu bekommen“. Der, wie Rob Reiner es formuliert, eine ähnliche Balance suche wie alle Menschen: zwischen dem Streben nach Spaß, Freude, Glück im Leben – und dem Wissen, dass es zeitlich begrenzt ist.

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